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rik September 2016

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Köln 8 FOTO: RAINER

Köln 8 FOTO: RAINER STURM_PIXELIO.DE Umfrage Die ideale Möglichkeit für die Unterbringung scheitert häufig nicht nur an den räumlichen Voraussetzungen. Auch über die richtige Strategie gibt es unterschiedliche Meinungen. Sollten LGBT-Flüchtlinge gemeinsam mit anderen Flüchtlingen untergebracht werden oder getrennt? Sind Heime oder Wohnungen am besten geeignet? Muss auf das soziale Umfeld Rücksicht genommen werden? Wir wollten wissen, was die Szene denkt. RALPH STERCK (VORSITZENDER DER FDP-FRAKTION IM RAT DER STADT KÖLN) Ich weiß, dass es Überlegungen gegeben hat für spezielle schutzbedürftige Gruppen, wozu Lesben und Schwule gehören, aber auch Schwangere und Alleinerziehende, die speziell untergebracht werden sollten. Ich finde es sinnvoll, dass bestimmte Gruppen, die eines besonderen Schutzes bedürfen, entsprechend getrennt untergebracht werden. Man kann sich ja vorstellen, dass es vielleicht auch viele schwul/lesbische Flüchtlinge nach Köln zieht, weil man gehört hat, dass man hier besonders frei leben kann. Dadurch, dass sie aus besonders unfreien Umgebungen kommen, aus unfreien Staaten, oder repressiven Religionen, kann ich mir vorstellen, dass gerade der Drang nach Köln zu kommen oder zu anderen Hochburgen für Schwule und Lesben, besonders groß ist. Deswegen macht es auch Sinn, sie getrennt unterzubringen, damit sie diese Freiheit hier auch leben können. BERNT IDE (PHOENIX SAUNA) Im Prinzip finde ich es richtig, dass es eine eigene Unterbringung für LGBT-Flüchtlinge geben muss. Sicherlich sind alle Flüchtlinge erst mal vor dem Krieg geflüchtet, aber bei nicht heterosexuellen Menschen gibt es eben noch die weitere Komponente, dass sie vor Folterung, teilweise auch Todesstrafe geflohen sind. Wenn sie hier in ein normales Wohnheim kommen, und wir haben viele Gäste mittlerweile durch unseren Spezialtarif, die auch davon erzählen, dass sie eben keinesfalls sich zu erkennen geben dürfen, weil sie mit Menschen zusammen wohnen, die eigentlich ihr Leben nicht akzeptieren und sie werden auch bedroht. Andersrum muss man natürlich auch sagen, ob denn Menschen, die hier in Deutschland als Flüchtlinge anerkannt werden wollen, hier leben wollen und unsere Kultur nicht anerkennen wollen, ob die hier richtig sind. Das ist aber sicherlich noch ein anderes Thema.

TORSTEN ILG (FREIE WÄHLER, BV RODENKIRCHEN) Ich glaube, dass die die Unterbringung von Menschen mit LGBTI Hintergrund idealerweise eigentlich nicht in separierten Einrichtungen erfolgen sollte, wie wir das beispielsweise in Berlin haben. In den Niederlanden ist das Thema stark debattiert worden und der niederländische Ministerpräsident Rutte hatte diesbezüglich große Vorbehalte gegen reine LGBTI Flüchtlingseinrichtungen. Es gab eine gesellschaftliche Debatte die zu dem Schluss gekommen ist, es wäre besser, in den bestehenden Flüchtlingseinrichtungen Schutzbereiche zu schaffen für homosexuelle Flüchtlinge. Es ist für viele Menschen, die aus muslimischen Ländern kommen, ein Riesenproblem. Dort wurden sie teilweise verfolgt, es droht teilweise die Todesstrafe und diese Menschen haben unheimliche Schwierigkeiten zuzugeben „Ja, ich bin schwul oder ich bin lesbisch“ und deswegen ist es so schwer in Erfahrung zu bringen, ob einer schwul oder lesbisch ist. Viele stehen nicht dazu und deswegen glaube ich, dass es der bessere Ansatz ist, sichere Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen in bestehenden Einrichtungen, zum Beispiel einzelne Wohnungen oder Schutzräume schaffen in den großen Einrichtungen, oder abgeschlossene Wohnräume nutzen. 9 Köln INA WOLF (RAINBOW REFUGEES) Wir haben als Rainbow Refugees in Absprache mit Baraka, die seit Jahren schon im Rahmen des Rubicon mit Geflüchteten arbeiten, einen Antrag auf mindestens 30 Notwohneinheiten gestellt für die dringendsten Fälle. Wir haben allein in zwei Wochen 15 Angriffe mit Messern, teilweise sogar Vergewaltigungen von Trans-Leuten, heftigstes Mobbing erfasst und dokumentiert mit der Anti-Gewalt-Stelle vom Rubicon. Uns sind auch noch viel mehr Fälle bekannt, die derzeit erfasst werden. Wir sehen da einen ganz dringenden Bedarf, dass die LGBTQ Geflüchteten als besonders schutzbedürftig, analog zu Frauen mit Kindern oder unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, anerkannt werden. LGBTQ Flüchtlinge sind nur im Land Berlin als besonders schutzwürdig anerkannt, nicht aber in NRW. Es gibt zwar einige Pläne, aber bis die umgesetzt sind, ist es zu spät. Wir haben vor einem Monat eine ganze Nacht auf der Polizeiwache verbracht, um einen Fall zur Anzeige zu bringen. Die Polizei war nicht besonders kooperativ und wir waren erst nach neun Stunden zu Hause. Eine Woche später ist einem der schwulen Geflüchteten der Arm gebrochen worden. Die Stadt Köln verlangt von uns, dass wir als ehrenamtliche Organisation uns drum zu kümmern haben, wie die Wohnungen belegt werden, wer dafür in Frage kommt und deren Betreuung. Wie der bürokratische Ablauf ist, muss den Geflüchteten detailliert erklärt werden, wie Kaution oder Strom anmelden, da gibt es z.B. Sprachbarrieren. Deutschland hat Normen und die sollen ja auch nicht anecken. Es ist eine riesige Arbeit, für die man auch eine Stelle braucht. Die Stadt Köln hatte eine Stelle bewilligt, aber wegen der desolaten Haushaltslage, und weil sich die Parteien nicht einig sind, ist diese wieder auf Eis gelegt. Es kann nicht angehen, dass unsere Ehrenamtler, die schon genug machen, sich auch noch mit der enormen Arbeit beschäftigen sollen, Geflüchtete in diese 30 Einheiten unterzubringen. Hier versagen die Stadt Köln, die Landesregierung und die Bundesregierung. ANDREAS WOLTER (BÜRGERMEISTER, GRÜNE) Wir haben einen Ratsbeschluss dazu, dass Frauen, die alleine reisen, Frauen mit Kindern, ohne Männer, genauso wie die LGBTIQ Flüchtlinge, separat untergebracht werden sollen. Dazu wird derzeit mit dem Wohnungsamt und in Zusammenarbeit mit dem Rubicon und der Aidshilfe an einem Konzept gearbeitet. Im September wird es zu dem Thema noch eine Fachkonferenz geben, wie die Flüchtlinge separat untergebracht und auch dementsprechend betreut werden können.

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