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rik September 2016

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Köln 10 BAUHERR

Köln 10 BAUHERR +ARCHITEKT Ein Flüchtlingsheim entsteht FOTOS: OA/CK Während in Köln noch darüber gestritten wird, welches der beste Weg ist, LGBT-Flüchtlinge unterzubringen, gibt es in Berlin ein eigenes Flüchtlingsheim. rik sprach mit dem Architekten. WAS WAR DER EIGENTLICHE PLAN FÜR DAS HAUS? Ich hatte das Grundstück 2012 gekauft und ein Wohnund Geschäftshaus geplant. In der Bauphase kam es dann aber schon zu einer Neukonzeption. WARUM? Ich hatte eine recht große Fläche für mein Architekturbüro vorgesehen. Durch Veränderungen war diese aber nicht mehr zeitgemäß. Auch die Ladenfläche im Erdgeschoss ließ sich nicht so wie geplant verwirklichen. Parallel liefen dann täglich die Bilder zur Flüchtlingskrise im Fernsehen, speziell die unerträglichen Zustände in Berlin. Das brachte mich zum Nachdenken über eine andere Möglichkeit der Nutzung. INWIEFERN? Wenn man das Gebäude für die Unterbringung von Menschen nutzen würde, könnte man die vormals als Bürofläche geplanten Räume für die Gemeinschaftsräume wie die Essensausgabe nutzen. Also bin ich an das LAGeSo herangetreten. ZU DER ZEIT WAREN ABER AUCH EINIGE WOHNUNGEN SCHON IM INTERNET ZUR VERMIETUNG AUSGESCHRIE- BEN, WIE WIR VON NACHBARN BEI DER BESICHTIGUNG ERFUHREN … Ja, das ist richtig. Das war im August letzten Jahres, also schon in einem fortgeschrittenen Baustadium .. . UNGEFÄHR ZU DEM ZEITPUNKT MELDETE AUCH DIE SCHWULENBERATUNG DEN BEDARF FÜR GESONDERTE LGBT*I-UNTERKÜNFTE AN. Das wusste ich damals noch gar nicht. Das kam erst im späteren Verlauf der Verhandlungen mit dem LAGeSo. IST DAS SOZUSAGEN EIN SECHSER IM LOTTO FÜR EINEN BAUHERRN, WEIL NUN SEINE IMMOBILIE FÜR 15 JAHRE AN DIE STADT VERMIETET IST? Schön wär’s! Nein, es ist ein ganz normaler Standardmietvertrag über fünf Jahre mit Verlängerungsoption. UND LOHNT SICH DAS? DIE WOHNUNGEN WAREN JA WIE ERWÄHNT SCHON ZU MARKTÜBLICHEN, ALSO RECHT HOHEN PREISEN IM INTERNET ZU FINDEN. Auf Dauer wäre die wohnwirtschaftliche Nutzung sicher lukrativer. Aber als an das Land vermietete Flüchtlingsunterkunft habe ich natürlich den Vorteil, dass das gesamte Haus voll vermietet ist. Ich habe also keinen Leerstand. GAB ES DENN NOCH STRESS FÜR DICH ALS BAUHERRN UND/ODER ARCHITEKTEN WEGEN DER UMWIDMUNG IN SO EINEM FORTGESCHRITTENEN BAUSTADIUM? Wenn sich eine Aufgabe stellt, betrachte ich sie als Herausforderung, überlege und packe dann an. Ich bin nicht der Typ, der die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Klar gab es noch einige Anpassungen: Im Dezember musste ich in kurzer Zeit Dinge wie Brandschutz oder auch die Essensausgabe planen und umsetzen – das war schon eine Herausforderung. DA DU SELBER SCHWUL BIST UND IM DACHGESCHOSS WOHNST, GIBT ES AUCH KEINE BERÜHRUNGSÄNGSTE? Nein, weder mit der sexuellen Orientierung der Bewohner,

11 Köln noch habe ich überhaupt Ängste vor der Kultur der Flüchtlinge. Ich war jahrelang im Ausland tätig, auch im arabischen Kulturkreis. Ich kenne die Gebräuche und Sitten und habe deswegen gar keine Berührungsängste. HAST DU DENN KONTAKT MIT DEN BEWOHNERN? Ja, man sieht sich natürlich und sagt Hallo oder nickt sich zu. Ich finde es hochspannend, woher und aus welchen Gründen die Menschen hierherkommen. Wenn man mit dem Einen oder anderen etwas mehr spricht, erfährt man die Fluchtgeschichen. Das ist schon bewegend. WAS WAREN SONST NOCH BESONDERS INTERESSANTE PROJEKTE? In Wismar haben wir die Sanierung des Bürgerhauses aus der Dynastie des Wismarer Bürgermeisters Lemke zum Unesco Welterbezentrum inklusive der Rekonstruktion des bedeutenden Tapetenzimmers vorgenommen. Zuletzt sehr spannend war ein Schulprojekt in Palästina, wo wir für eine deutsche Schule ein Gästehaus projektiert haben. WIE SIEHST DU DIE ZIELE DER POLITIK, WOHNBAUTEN ZU BESCHLEUNIGEN. STICHWORT 2.000 EURO BAUKOSTEN PRO QUADRATMETER? Das ist ein sehr sportliches Ziel. Da muss der Staat wirklich überlegen, ob nicht die ein oder andere Vorschrift überdacht werden muss, um dieses Ziel zu erreichen. Durch die Normierungen hat man kaum noch Freiheiten. •Interview: Olaf Alp/Christian Knuth „Die Bilder im Fernsehen brachten mich zum Nachdenken“ Foto: Nils Vilnis Iveta Apkalna spielt Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, Philip Glass, Paul Hindemith und Thierry Escaich koelner-philharmonie.de 0221 280 280 Mittwoch 28.09.2016 20:00

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