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rik Juni / Juli 2019

MUSIK SOUL SOLANGE

MUSIK SOUL SOLANGE „When I Get Home“ Es ist bestimmt nicht einfach, die kleine Schwester der Königin zu sein. Queen Beys Schatten ist so groß, dass irgendwann sogar ihr Ehemann darin verschwand – das will nun wirklich etwas heißen. Wer kennt denn noch die Namen der anderen Damen aus Destiny’s Child? Entweder man hat also mit unerfüllbar großen Erwartungshaltungen zu kämpfen oder man legt es am besten gar nicht erst darauf an, in der gleichen Welt agieren zu wollen wie die unantastbare, göttliche Beyoncé. Oder vielleicht ist es doch andersherum? Vielleicht hat man genau deswegen eben gerade keine Erwartungen zu erfüllen, weil unter diesen Umständen sowieso niemand etwas von einem erwartet? In ihrem Schatten hat man womöglich einfach seine Ruhe und kann genau deswegen ohne Eile machen, was man will. Vielleicht konnte Solange nur deshalb ein so eigenwilliges – wunderbares – Album wie „When I Get Home“ aufnehmen und veröffentlichen? Solange muss eben nicht das opulenteste, gewaltigste sowie populärste Werk abliefern, sie kann sich ganz darauf konzentrieren, so eklektisch zu sein, wie sie will. Sie muss nichts in die Charts hebeln und kann ein Album auch mal schon auf Jazz und anderen unkommerzielleren Genres basieren lassen … Sagen wir es ruhig: Sie hat die Freiheit, Kunst machen zu können. Aber zugegebenermaßen hat es viele Jahre gedauert, bis ihr selbst das klar wurde. Ihr erster Soloversuch von 2002 war noch ein recht normales Unterfangen, das dementsprechend zu nicht viel führte, wie auch ihr zweites, an Motown orientiertes Werk. Erst als sie 2012 neu durchstartete und mit der EP „True“ etwas ablieferte, das man ein künstlerisches Statement nennen konnte, war sie auf dem Weg, sich selbst zu finden und frei auszudrücken. Kein Nachahmen mehr. Genau so schafft man es dann eben auch auf die Nummer eins: „A Seat At The Table“ etablierte sie 2016 als Star ihres eigenen Willens, klar politisch, musikalisch progressiv und ohne Sorgen um das, was der Rest der Welt sich denken mag. Man fühlte sich daran erinnert, wie sich klein Janet damals von ihrem großen Bruder (und dem Rest des Familienklans) emanzipierte – ebenfalls auf ihre eigene Art. Solange hatte nun endgültig die Kontrolle über ihre Musik und ihr Bild in der Öffentlichkeit. Sie hat sich selbst definiert – niemand sonst. Aber natürlich hat sie sich trotzdem auch ein, zwei Sachen von ihrer großen Sis abgeschaut – wie zum Beispiel einfach mal so ein Album ohne Ankündigung herauszubringen. Auch wenn ein Überraschungsrelease niemanden mehr überrascht – Erwartungshaltungen unterläuft man damit weiterhin problemlos. Und wenn man den Nachnamen Knowles trägt, macht man so etwas nicht, ohne multimedial zu denken – deshalb gibt es auch gleich einen halbstündigen Film zu „When I Get Home“, bei dem Solange ganz nebenbei noch die Regie übernommen hat. Solange analysiert auf diesem Album sich selbst und ihre Identität und rahmt diesen Blick in eine Hymne an ihre Heimatstadt Houston ein. Wenn man die Musik des Dirty South, wenn man Trap und psychedelischen Soul (und eben Jazz) miteinander verwebt, kann nur etwas Experimentelles herauskommen. Es sind Schnappschüsse, die inhaltlich doch zusammengehören. Obwohl die Liste an Gästen und Kollaborateuren geradezu endlos ist – Houstons Rap-Legende Devin the Dude, Tyler The Creater, Pharrell Williams, Devonte Hynes (Blood Orange), Gucci Mane, Sampha, Playboi Carti, Earl Sweatshirt –, ist hier ganz deutlich, dass Solange die Chefin, verwässert kein unmotiviertes Feature ihren eigenen Ausdruck. Tja, dann muss man doch wieder an ihre Schwester denken, aber nicht, um sie gegeneinander abzuwägen, zu vergleichen, wer der bessere Popstar ist, sondern weil „When I Get Home“ an „Lemonade“ erinnert: zwei unterschiedliche Alben, die zeigen, wie beide mit sich selbst und ihrer Welt aufräumen und dabei musikalische Rahmen sprengen. Dabei steht keine der Schwestern im Schatten der anderen – sondern beide treffen sich auf Augenhöhe. *fis

MUSIK FUNK Eine große Portion PRINCE Ende der 1990er veröffentlichte Prince das Album „Rave Un2 the Joy Fantastic“, zwei Jahre später folgte mit „Rave In2 the Joy Fantastic“ das passende Remixalbum des Sinnlichen. Der Musiker, der auch Größen wie Sarah Connor inspirierte, präsentierte sich auf dem Album „Rave Un2 the Joy Fantastic“ gewohnt experimentierfreudig. So überraschte er mit einem Duett mit Gwen Stefani („So Far, So Pleased“), unterhielt mit einem Feature der damals populären Rapperin Eve („Hot Wit U“) und zeigte mit Liedern wie „The Sun, the Moon and Stars“ und „Every Day Is a Winding Road“ auch solo, was er 1999 noch drauf hatte. 2001 erschien das Remixalbum: „Rave In2 the Joy Fantastic“ – das allerdings nicht Elektro oder House, sondern Funk, Rock, R ‘n‘ B und Pop im Angebot hatte. Unser Anspieltipp ist „Baby Know (featuring Sheryl Crow)“. Beide Alben erschienen gerade neu! Ebenfalls Ende April wurde „Ultimate Rave“ veröffentlicht, ein Konzert aus dem Jahr 2000, das mit Hits wie „Gett Off“, „Kiss“ und „Purple Rain“ aufwartet. *rä HOUSE Black Arts Lab 'Lectric Veve POP Lena: „Only Love, L“ ROCK P!NK: „Hurts 2B Human“ „Es wurde ursprünglich als Instrumentalalbum produziert, entwickelte sich jedoch beim Experimentieren mit dem Layering von Vokal-Samples schnell über meine Erwartungen hinaus und enthüllte versehentlich Parallelen zwischen einem afroamerikanischen Pfingst-Gottesdienst am Sonntagmorgen und einer Vodun- Zeremonie in Benin“, verrät der Wahlberliner über sein neues Album. Unser Anspieltipp ist „Keeper of the Crossroads“. *rä blackartslab.com FOTO: MARIE HOCHHAUS Gereift, noch besser und persönlicher – Lena ist zurück. Die Sängerin, die für uns den Eurovision Song Contest gewann, präsentiert sich auf dem neuen Album „Only Love, L“ in Bestform. Lieder wie „Note to Myself“ und „Scared“ sind Pop mit Tiefgang – Welten von „Satellite“ entfernt. Sie habe ihren „Tiefpunkt als Wendepunkt“ verstanden und denkt, „dass man alles mit Liebe abschließen sollte“. Stimmt. Willkommen zurück! Unsere Anspieltipps sind „Skinny Bitch“, „Don’t Lie to Me“ und „Thank You“. *rä TOUR Live: Vivie Ann „Walk Me Home“ hieß das Lied, das das 2019er-Comeback der Rock- Popperin einläutete. Eine starke Ballade, geradezu eine Hymne auf die Liebe ... Jetzt folgt ein ganzes Album. Oh, wie schön! P!NK steht für Stärke, Leidenschaft und Emanzipation: „Ich würde mich niemals ändern, nur weil einigen Leuten meine Art nicht passt. Ich bin keine Schaufensterpuppe, die man beliebig gestalten kann.“ Aber sie steht auch für Romantik, und das alles kannst du auf ihrem neuen Album hören. Ab Juli ist die Tolle auch live in Deutschland unterwegs und macht mit Liedern des neuen Albums „Hurts 2B Human“ unter anderem in Hannover, Stuttgart, München und Köln musikalische Station. *rä „Wir waren vier Kinder und mein Vater ist Jazzpianist, meine Mutter Chansonsängerin – und die haben uns überallhin mitgenommen. Es war ganz normal für uns, im Tourbus zu sein“, verriet uns die Sängerin Vivie Ann vor wenigen Wochen im Interview. Jetzt kommt sie auf Tour und macht unter anderem in München (6.5., Ampere), Frankfurt (7.5., Brotfabrik) und Stuttgart (17.5., Schräglage Stuttgart) musikalische Station. *rä www.vivieann.com

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