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Gesellschaft

Gesellschaft „Vernünftig und hochgradig romantisch“ FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/SVETIKD DIE EHE FÜR ALLE. WANN, WENN NICHT JETZT?* Annie und Alfonso sind Sprecher des größten gesellschaftlichen Bündnisses, das sich in Deutschland jemals zur Erreichung queerer Ziele gegründet hat. Am 4. Juni wurde in Berlin bei einer Auftaktkundgebung erfolgreich demonstriert, hier erfährst du mehr zum Thema. SEID IHR BEIDEN VERLEBENSPARTNERT JEWEILS? Annie: Ich war es bereits, sogar als erstes gleichgeschlechtliches Paar, das eine Segnung in der Oldenburgischen Landeskirche erhielt. Zwischenzeitlich bin ich es nicht mehr. Ein Beweis dafür, dass unsere Liebe nicht besser oder schlechter ist als die von heterosexuellen Paaren. Sie ist gleich. Wenn ich noch einmal Ja sage, dann hoffentlich während eines Ehe-Gelöbnisses. Alfonso: Ich bin seit einem Jahr sehr glücklich verliebt, aber noch nicht verlebenspartnert. Wenn wir so weit sein sollten, dann möchte ich gern heiraten. Als Aktivist, der seit Jahren für die Öffnung der Ehe einsteht, möchte ich mich eben nicht mit der halb vollen Packung abfinden. WAS STÖRT EUCH AN DEM BEGRIFF? Alfonso: Menschen, die einen Bund für das Leben eingehen wollen, möchten heiraten und sich nicht verlebenspartnern. Allein das Wort ist ein Romantikkiller. Dazu kommt, dass die eingetragene Lebenspartnerschaft nicht unmittelbar durch die Verfassung geschützt ist. In Artikel 6 des Grundgesetzes steht, dass Ehe und Familie unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung stehen. Im Klartext: Wenn die Regierung sich morgen entscheidet, das Lebenspartnerschaftsgesetz in dieser Form abzuschaffen, dann könnte sie es per einfachen Mehrheitsbeschluss im Bundestag auch durchsetzen. Um allerdings die Ehe abzuschaffen, müsste aufgrund von Artikel 6 erst die Verfassung geändert werden, und das ist in Deutschland aus gutem Grund sehr, sehr schwer. IST EHE NICHT SPIESSIG? Annie: Ich empfinde das Versprechen, füreinander Sorge zu tragen, Verantwortung zu übernehmen und finanzielle Sicherheit für meinen Partner zu schaffen, falls mir etwas zustoßen sollte, absolut nicht spießig. Es ist vielmehr vernünftig und hochgradig romantisch. WEN WOLLT IHR MIT DER KAMPAGNE ERREICHEN? Annie: Wir möchten alle Menschen erreichen, die davon ausgehen, dass

Gesellschaft gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten dürfen. Die sogenannte „Homo-Ehe“ gaukelt vor, dass es eine Gleichstellung mit der traditionellen Ehe gäbe. Aber es gibt keine Homo-Ehe, und die wollen wir auch nicht. Wir möchten das Recht haben, eine Ehe wie heterosexuelle Paare schließen zu dürfen. Wir möchten für die gleiche Liebe auch die gleichen Rechte. WIE KANN MAN EUCH UNTERSTÜT- ZEN? Alfonso: Wenn selbst Lesben und Schwule von „Hochzeit“ sprechen, kann das natürlich verwirren, und so gehen viele davon aus, dass die eingetragene Lebenspartnerschaft eine Ehe ist. Ergo fehlt es dann natürlich auch an lautstarker Unterstützung aus der breiten Gesellschaft. Man kann uns nachhaltig unterstützen, indem wir Menschen im eigenen Umfeld immer wieder sagen, dass gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland NICHT heiraten dürfen. Außerdem freuen wir uns über jeden Like auf Facebook und Co. Hier gibt es immer wieder Informationen zu unseren geplanten Aktionen, die besucht und unterstützt werden können. Ob in persona oder finanziell: Jede Unterstützung hilft. KRISTALLKUGELFRAGE: KOMMT DIE EHE FÜR ALLE VOR DER BUNDESTAGS- WAHL, UND WIE BEGRÜNDET IHR DIE ANTWORT? Annie: Ich habe die Befürchtung, dass dieses Thema als Spielball in etwaige Koalitionsverhandlungen geworfen wird. Dennoch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass vielleicht doch noch in dieser Legislaturperiode die EHE FÜR ALLE gefeiert wird. Alfonso: Es ist dringend ratsam, dass die EHE FÜR ALLE noch in dieser Legislaturperiode kommt. Da vertraue ich einfach auf die Oppositionsparteien und tatsächlich auch auf die SPD, die sich kurz vor der Wahl nicht mehr von einem eventuellen Koalitionsbruch beeindrucken lässt. Nach der Bundestagswahl wird es sehr schwer werden, die notwendigen Mehrheiten zu bekommen, weil sich durch das Erstarken der AfD ganz andere Mehrheiten bilden können. •Christian Knuth www.ehefueralle.de Kommentar ORLANDO – EIN WECKRUF FÜR MODERNE MUSLIME Die tragischen Ereignisse von Orlando könnten auf lange Sicht einen Wendepunkt im Umgang der Muslime mit Homosexualität darstellen. Was mit der Arbeit des schwulen Imam Ludovic-Mohamed Zahed begann, ermuntert viele andere moderne Muslime, egal ob homo- oder heterosexuell, der menschenverachtenden Homophobie einiger Gelehrter und politischer Machthaber entgegenzutreten. Der in Algerien und Frankreich aufgewachsene Zahed hat bereits 2012 in Paris eine Moschee gegründet, in der Schwule und Lesben willkommen sind. Als promovierter Anthropologe und Psychologe hält er auch weltweit Vorträge über eine liberalere Auslegung des Korans. Dieser sei über Jahrhunderte tolerant gegenüber homosexuellen Menschen gewesen. Der Prophet selber habe weibliche Männer, Mukhannathun, in seinem Haus aufgenommen. Mittlerweile gibt es bereits zehn schwule Imame weltweit. Einer der ersten war Mushin Hendricks, der in Südafrika über eine schwulenfreundliche Lehre predigt, in der Homosexualität nicht im Widerspruch mit einer islamischen Identität steht. Noch mutiger ist Daayiee Abdullah, der in Washington die „Light of Reform Mosque“ gegründet hat und dort in den vergangenen 13 Jahren über fünfzig schwule Heiratszeremonien vorgenommen hat. Sogar das Begräbnis eines HIV-Positiven führte er durch, nachdem jeder andere Imam sich geweigert hatte. Mittlerweile wurde auch in England ein muslimisches Lesbenpaar verheiratet. In Deutschland lehrt ein Schwuler, Rahul Eks, in der Sufi-Tradition, einer mystischen Richtung des Islams. In einem beeindruckenden Fotoprojekt von Samra Habib wird gezeigt, wie schwule und lesbische Muslime mit ihrer Sexualität in offener und moderner Weise umgehen. In einem Statement zu der Tat in Orlando weist Habib darauf hin, wie schwer es für homosexuelle Muslime ist, sich sowohl der Verfolgung durch Islamisten zu erwehren und gleichzeitig auch Gegenstand einer zunehmenden islamophoben Verfolgung zu werden. Zugleich würde von ihnen erwartet, sich von Gewalttaten wie der in Orlando zu distanzieren, wobei die allermeisten Opfer radikaler Islamisten Muslime selber sind. •oa queermuslimproject.tumblr.com Come as you are. Do what you love. 20 Jahre Vielfalt, 20 Jahre Respekt: 20 Jahre GLEAM. GLEAM ist das LGBT-Netzwerk von Microsoft. Mehr als 2.000 Mitglieder engagieren sich weltweit aktiv in Diskussionsforen, bei Events und der Unterstützung gemeinnütziger Organisationen. Diversity am Arbeitsplatz ist fester Bestandteil der Firmenkultur von Microsoft. Dies feiern wir mit unseren Kolleginnen und Kollegen am 9. Juli auf der Politparade des CSD in München. Wir freuen uns auf den Austausch mit der Community am Stand von PROUT AT WORK. www.microsoft.com/en-us/diversity/inside-microsoft/glbt careers.microsoft.com *Der Text ist zur besseren Lesbarkeit vereinfacht. Im Original gegendert.

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