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leo Juli 2016

CSD München!

Szene 04 FOTO: BERND

Szene 04 FOTO: BERND MÜLLER Junge Schwule in München SCHWUL SEIN SOLL NORMAL SEIN Wo stecken eigentlich die jungen Schwulen? Eine Frage, die man sich häufig stellt, denn die Generation unter 30 taucht in den etablierten Strukturen immer seltener auf. Auch das viel beklagte „Szenesterben“ hat eine Ursache darin, dass sich diese Generation von einer Regenbogenfahne an der Kneipentür kaum mehr anlocken lässt. Darum haben wir Markus (26), Adrian (24) Pascal (20) und Simon (20) getroffen. Sie alle sind in den Gruppen „JUNGS“ beziehungsweise „youngsters“ des Jugendzentrums diversity aktiv. Fragen, Antworten und Einblicke. •bm WO LERNEN SIE NEUE LEUTE KENNEN? Vor allem das Internet bietet heute Möglichkeiten, die ihre Vorgängergeneration nicht hatte. Sie gehen in gemischten Gruppen aus und sind innerhalb dieser viel in der „Heterowelt“ unterwegs. Schwules Kennenlernen läuft primär über eine Vielzahl an Kanälen, die Social Media oder Datingplattformen zur Verfügung stellen. Doch diese Online-Affinität gilt nicht für alle: „Ich bin oldschool und lerne Leute lieber persönlich kennen“, sagt Adrian. MIT WEM GEHEN SIE ABENDS AUS? Ob geoutet oder (noch) nicht: Zwei Freundeskreise zu haben, scheint gängige Praxis. Die werden freilich nicht strikt voneinander getrennt, da mischen sich Homos und Heteros gern, je nach Anlass. Ein rein schwuler Freundeskreis beispielsweise entspricht weder der Realität noch ihren Vorstellungen. GEHEN SIE ÜBERHAUPT IN DIE SZENE? Nach einem Gruppenabend kommt das schon vor, klar. Aber nicht primär. Und die, die schwul ausgehen, sammeln sich nicht, sondern sind in den vorhandenen Lokalen verstreut. So kann es eine echte Herausforderung sein, in der Szene jemand in seiner Altersklasse zu finden. Das liegt auch daran, dass sie dort häufig von Leuten jenseits ihrer Altersgrenze angemacht werden. „Das ist kein Vorwurf an die Älteren“, meint Simon, „aber es gibt halt nichts für junge Schwule.“ Immerhin: Das diversity bekommt einen neuen Treffpunkt im benachbarten Café am Hochhaus, mit einer ehrenamtlichen Struktur und einer Altersgrenze von 27 Jahren. Vielleicht wird das der einzige Münchner Szenetreff für Junge? „Vielleicht zwingt es aber auch die anderen Wirte dazu, an ihren eigenen Läden zu schrauben, um sie für uns attraktiver zu machen“, hofft Pascal. WÜNSCHEN SIE SICH SZENELÄDEN FÜR JUNGE SCHWULE? Nicht dringend, aber schön wär´s schon. Allerdings sind die Ansprüche hoch und die Vorstellungen kaum auf einen Nenner zu bringen: Markus vermisst so etwas wie einen schwulen Mexikaner, einen schwulen Burgerladen oder „meinetwegen etwas Quietschbuntes“. Pascal stimmt zu: „Ich wünsche mir eine alternativere, und breiter gefächerte Szene und schwule Clubs, in denen nicht nur Pop, Charts und House läuft.“ Klar ist: Die bestehenden Lokale haben aus Sicht der beiden zu wenig eigenen Charakter. Adrian wiederum stellt sich einen „ganz normalen queeren Laden“ vor. Unaufgeregt, in dem es keine Abgrenzungen gibt und in den alle Leute gehen können. BRAUCHT ES HEUTE ÜBERHAUPT NOCH SO ETWAS WIE EINE SZENE? Wenn es etwa um ein Jugendzentrum geht, in dem sich Leute rund um ihr Coming-out ausprobieren und kennenlernen können, ganz klar ja. Auch, weil es für so manchen wichtig ist, einen Schutzraum zu haben, in dem sie sich frei bewegen können. Und natürlich für alle, die „so etwas“ mögen. Sie selber nutzen die Szene außerhalb der Angebote von diversity durchaus, aber eben nicht ausschließlich. BENEIDEN SIE IHRE VORGÄNGERGENERATION UM DEREN SZENELEBEN? „Ich habe von der „Carmen´s“ gehört, der Laden hätte mich vielleicht interessiert“, meint Markus. „Aber wir haben heute neue Möglichkeiten.“ Einigkeit besteht darin, dass schwules Leben heute etwas Selbstverständliches sein und keinesfalls den Ruf etwas Exklusives oder gar „Abnormales“ haben sollte. „Die Trennung zwischen homo und hetero war früher viel stärker“, vermutet Simon. WIE SEHEN SIE SICH UND IHRE SZENE IN 20 JAHREN? „Die Akzeptanz Schwulen gegenüber wird derzeit immer brüchiger“, meint Pascal, „deswegen wird eine Szene auch in 20 Jahren noch wichtig sein.“ Simon wünscht sich, dass bis dahin alles normal ist. Da ist es wieder, das Wort von der „Normalität“, der Begriff, der in unserem Gespräch vermutlich am häufigsten fiel. Schwulsein soll normal sein. Adrian lacht: „So schnell wird es nicht gehen. Da muss man mindestens 100 Jahre ansetzen, um das zu erreichen!“ www.diversity-muenchen.de

REGENBOGEN MIT TRAUERFLOR Am Abend des 13. Juni hatten die CSD-Organisatoren und -Organisatorinnen kurzfristig zu einer Mahnwache im Gedenken an die fünfzig Opfer des Attentats auf einen queeren Klub im US-amerikanischen Orlando aufgerufen. Rund 250 Menschen versammelten sich gegenüber dem US-Generalkonsulat, unter ihnen US-Konsul Scott Woodard sowie Abgeordnete aus dem Landtag und dem Stadtrat. Im Namen des CSD wies Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl darauf hin, dass Hass gegen Homosexuelle auch bei uns existiere und dass dieser Hass durch rechte Strömungen wieder gesellschaftsfähig zu werden drohe. Er rief die Community dazu auf, sichtbar zu bleiben und den Gedanken des CSD, Respekt, Toleranz, Miteinander und Vielfalt zu leben, offensiv zu verfolgen. •bm FOTO: BERND MÜLLER Müller´sches Volksbad UNSITTLICHES VERHALTEN? „Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben diskriminiert und beschämt gefühlt“, sagt Markus S.*, nachdem er mit seinem Freund aus dem Müller’schen Volksbad geworfen worden war. Nach seinen Angaben hatten sich die beiden an einem schlecht besuchten Mittwochabend im Dampfbad nur kurz geküsst. „Da war kein Anfassen und schon gar nichts Sexuelles“, beteuert er. Dennoch flog sofort die Tür auf, ein junger Bademeister kam herein und komplimentierte die beiden umgehend zu den Umkleiden. „Schon als wir im Bad ankamen, war dieser Typ hinter uns her und checkte alles argwöhnisch ab“, erzählt Markus. „Der Mann will einfach keine Schwulen im Bad haben.“ Ein Eindruck, der sich bei einer kurzen LEO-Umfrage unter schwulen Stammgästen des Müller’schen Volksbades übrigens bestätigte – auch anderen Gästen war dieser Angestellte schon aufgefallen. Nichtsdestotrotz: Die beiden mussten umgehend die Anstalt verlassen, eine Woche später erteilten ihnen die Stadtwerke zudem ein Jahr Hausverbot wegen „unsittlichen Verhaltens“ und „Erregung öffentlichen Ärgernisses“. Markus wehrt sich: „In einem Bad, das von Schwulen seit Jahrzehnten stark frequentiert wird, muss man mit solchen Vorfällen anders umgehen“, meint Markus. „Da macht die Stadt München Respekt- Kampagnen und Werbung in der Szene, aber an der Realität sieht man, dass es oft noch anders aussieht.“ Die Stadtwerke haben bis Redaktionsschluss auf Nachfragen von LEO dazu keine Stellungnahme abgegeben. •bm *Name von der Redaktion geändert – so bunt wie das Leben. Münchner Bank eG Filiale Altstadt Sonnenstraße 19, 80331 München Tel. 089 2128-6260 www.muenchner-bank.de kontakt@muenchner-bank.de Filiale Schwabing Nordendstraße 64, 80801 München Tel. 089 2128-5700

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.