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Leo August 2017

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6 STADT PETER PRILLER

6 STADT PETER PRILLER Dipl. Theologe – Univ. Seit der Bundestag und dann auch der Bundesrat die „Ehe für alle“ beschlossen haben, laufen die „üblichen Verdächtigen“ wieder Sturm. Teilweise wähnen sie den Untergang des Abendlandes nahe, teilweise sehen sie darin einen entscheidenden Schritt zur Auflösung aller sittlich-moralischen Werte und Normen. „Die üblichen Verdächtigen“, das sind zuerst viele, ja vielleicht die meisten der römischkatholischen Bischöfe, viele (keineswegs alle!) ihrer Priester und Laien, dann auch bestimmte Kreise in den evangelischen Landeskirchen und die meisten evangelikal geprägten Freikirchen. Vorab: Ich schreibe hier als Theologe und als schwuler Mann, der 17 Jahre in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt hat, die letzten Jahre auch in einer amtlich eingetragenen Lebenspartnerschaft, bis dass der Tod uns geschieden hat. Ich kann heute den Unterschied zu einer Ehe rein GASTKOMMENTAR emotional nicht mehr nachvollziehen. Wäre mein verstorbener Mann eine Frau gewesen, oder wäre ich eine Frau, kein Mensch würde daran zweifeln, dass unser gemeinsames Leben eine Ehe war – auch ohne ein einziges Kind. So aber war sie nach außen „nur“ eine eingetragene Lebenspartnerschaft, also eine Lebensgemeinschaft zweiter Klasse. Das ist zweifelsohne eine Diskriminierung. Darin enthalten ist eine weitere Diskriminierung bei der Angabe des Familienstandes. Ich durfte in der Zeit nicht schreiben „verheiratet“ und auch nicht „ledig“, sondern „ELP“ für eingetragene Lebenspartnerschaft, und ich darf bis heute nicht in offiziellen Dokumenten angeben „verwitwet“, sondern muss „ELPV“ angeben. Damit bin ich aber automatisch gezwungen, meine sexuelle Orientierung zu offenbaren. Das ist definitiv diskriminierend und unter Umständen auch von Nachteil. Doch nun zum Theologischen: Die römische Kirche sieht die Ehe als FOTO: PETER PRILLER Lebensgemeinschaft von Mann und Frau und weist ihr den Status eines Sakramentes zu, also eines „wirkmächtigen Zeichens“, in dem Christus an seiner Kirche bzw. Gott an der Menschheit handelt. Der Gedanke ist sehr alt, die dogmatische „Zementierung“ fand allerdings relativ spät statt, beim Konzil von Trient (1545 – 1563), das erst die 7-Zahl der Sakramente der römischen Kirche endgültig festgelegt hat. Luther hingegen sieht in der Ehe „ein weltlich Ding“, dem von der Kirche zusätzlich der Segen Gottes zugesprochen wird. Das erklärt schon mal, warum sich die evangelischen Kirchen in ihrer Mehrheit leichtertun mit der „Ehe für alle“ als die römisch-katholische Kirche. Wobei in beiden Lagern die Gegner der „Ehe für alle“ mangelnde Offenheit zur Zeugung neuen Lebens zu Felde führen – ganz abgesehen von den biblizistisch und fundamentalistisch gedeuteten Stellen im Alten und Neuen Testament, die sich – ich sage: scheinbar – gegen homosexuelles Verhalten richten. Wäre die Möglichkeit zur Zeugung neuen Lebens jemals tatsächlich das allerentscheidendste Moment gewesen, dann hätte man niemals 70-Jährige zum Traualtar zulassen dürfen. Hat man aber immer. Was die biblischen Aussagen gegen Homosexualität angeht, sollte man doch berücksichtigen, was die jeweiligen Verfasser gemeint haben und in welche Situation hinein sie geschrieben sind. Und meine Gegenfrage an die Bibelfundamentalisten: Warum hält man genau hier eisern an einer wörtlichen Interpretation fest, während man sich über andere Stellen im Alten wie im Neuen Testament immer großzügig hinweggesetzt hat? Wenn Menschen sich liebend annehmen und liebend in die Welt hineinwirken – und dies auch noch im christlichen Glauben tun –, dann ist das immer ein „wirkmächtiges Zeichen“ – ein Sakrament – für die Welt, und das strahlt aus. Vielleicht sollten die Kirchen ihren Sakramentenbegriff, der zuletzt in der Reformation bzw. in der Gegenreformation definiert wurde, mal wieder zur Disposition stellen. Prof. Dr. Andreas Krebs, Inhaber des Lehrstuhls für alt-katholische Theologie an der Universität Bonn, spricht inzwischen vom „Sakrament der Lebensgemeinschaft“. Ein vernünftiger Ansatz, meines Erachtens, der vor allem von Demut geprägt ist – von Demut gegenüber seinem Gott, dem ganz bestimmt keine Institution der Welt vorschreiben kann, welche „wirkmächtigen Zeichen“ der Liebe er setzt.

FOTOS: LEO CASTRO SINNERS Tanz die Todsünde Eigentlich hatte sich „Sinners“-Veranstalter Yoni Carmi schon 2016 vom Partyleben zurückgezogen. Eigentlich. Denn nun will er es doch nochmal wissen und veranstaltet am 14. August nach seiner „letzten“ die „allerletzte“ Sinners-Party. Wie zum Beweis, dass danach nichts mehr kommen kann, trägt die Farewell-Party den Titel „Deadly Sins“. Seinem Erfolgsrezept, das acht Jahre lang über 40.000 Gäste und rund 400 Künstler anzog, bleibt Yoni treu: Auch „Deadly Sins“ punktet mit Tänzern, Drags und Akrobaten und natürlich Sounds von internationalen Top DJs. Auf dem Main-Floor des Pacha-Clubs legen Ale Amaral (Foto), Ben Bakson und Karl Kay auf, die Pop- Terrasse im Außenbereich wird von Kathy Böhm und Patricia Bahm beschallt. Lasst euch ein letztes Mal berauschen von der einmaligen Sinner-Atmosphäre! Karten gibt´s im Vorverkauf bei Spexter und Bruno´s sowie online auf der Party- Website. *bm 14.8., Sinners, Pacha Club, Maximiliansplatz 5, 22 Uhr, www.sinners-party.com FOTO: PROUD EVENTS STADT 7 Augsburgs queere Zeltparty Was dem Münchner seine Wiesn, ist dem Augsburger sein Plärrer: Zum größten Volksfest Bayerisch- Schwabens strömen weit über eine Million Gäste. Ende August steht die nächste Runde an. Seit vielen Jahren ist der Plärrer auch für die queere Gemeinde ein großer Event, denn die kommt beim „rosaMontag“ auf ihre Kosten. Fesche Jungs und Madln sowie der Sound von „Trixie und die Partylöwen“ sorgen für ausgelassene Stimmung und ein volles Haus. Eine Tischreservierung wird daher empfohlen. Und wer nach 23 Uhr weiterfeiern möchte, ist im Thorbräukeller gut aufgehoben, wo die After-Party steigt. Also: Rein ins Gwand und ab nach Augsburg! *bm 28.8., Schaller Festzelt, Plärrergelände, 18 – 23 Uhr, reservierung@schallerzelt.de; Afterparty im Thorbräukeller, Heilig-Kreuz-Str. 20, Augsburg, 23 Uhr

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