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Leo August 2017

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12 STADTGESPRÄCH

12 STADTGESPRÄCH ILLUSTRATION: MVG DIE ALTE CSU ALS KLEINE MINDERHEIT FOTO: PRIVAT Ein Tunnel und eine Trambahn durch den Englischen Garten, eine nicht nur queerpolitisch unentschlossene CSU – und die Frage, wie gentrifiziert Giesing wirklich schon ist: die kommunalpolitische Kolumne von Abendzeitung-Lokalchef Felix Müller „Ich habe die Ehe für alle seit langem befürwortet“, teilte CSU-Bürgermeister Josef Schmid am Tag der Entscheidung mit. In seiner Partei spricht er da für eine Minderheit – auch in München. Von den vier direkt gewählten Münchner CSUlern im Bundestag stimmten Hans-Peter Uhl und Johannes Singhammer gegen die Ehe für alle (wie sich Peter Gauweiler, der sich in dieser Wahlperiode zurückzog, verhalten hätte, kann man sich vorstellen). Nur der junge Wolfgang Stefinger votierte für die Öffnung der Ehe. Bei den Münchner Abgeordneten der anderen Parteien war es keine Frage: alle stimmten dafür. Eine Einigkeit, die bei dem Thema auch wieder am CSD zu beobachten war. Alle Parteien versuchen, in der Community zu punkten. Keine traut sich mehr, die größte Demonstration des Jahres in der Stadt einfach zu ignorieren. Diesmal waren auch viele Bundestagskandidaten dabei, die sich mit ihren Forderungen übertreffen wollten. Manfred Krönauer von der FDP etwa forderte, dass in Deutschland die Mehrelternschaft anerkannt werden sollte, so dass lesbische und schwule Paare gemeinsam Kinder bekommen können. Nur die kleine CSU-Delegation tat sich offensichtlich wieder ein bisserl schwerer. Josef Schmid hat da einen schweren Spagat zu schaffen, versuchte, wie schon in den vergangenen Jahren, auch um Verständnis für die Gegner einer rechtlichen Gleichstellung zu werben. Sich selbst bezeichnete er als „Brückenbauer“. Der CSD mag für Schmid ein etwas schwererer Auftritt sein als für die Vertreter anderer Parteien. Für ihn dürfte er diesmal trotzdem eine schöne Ablenkung vom tristen Alltag gewesen sein. Es läuft nicht gut für die Münchner CSU. Erst am Tag vor der Parade hatte OB Dieter Reiter (SPD) zufrieden den Durchbruch für die Tram durch den Englischen Garten verkündet. Für die Stadt-CSU ist das eine schlechte Nachricht. Auf allen Ebenen hat man sich immer gegen dieses Projekt positioniert. CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer war`s am Ende egal. Er einigte sich ohne überhaupt mit den prominenten Münchner Parteifreunden darüber zu sprechen mit OB Dieter Reiter auf die Tram. Erklären lässt sich Reiters Überraschungs-Coup nur damit, dass Seehofer (mal wieder) Erzfeind Markus Söder eins auswischen wollte. Der ist als Heimatminister offiziell für den Park zuständig, gilt als Freund der vorderen Münchner CSU-Riege – und hatte erst Tage davor versprochen, die Tram werde nicht kommen. Jetzt tut sie es doch. Ebenso wie der 135-Millionen-Autotunnel übrigens. Der Ring wird im Englischen Garten unter die Erde verlegt. Das wurde kürzlich ebenfalls, aber einmütig, beschlossen. Ein Baubeginn wird bei der Stadt für das Jahr 2023 als realistisch eingeschätzt. So lange traut sich bei den Sechzgern aus vielen Gründen keiner zu planen. Aber nach dem Absturz in Liga 4 geht es tatsächlich ins Grünwalder Stadion zurück. Im Stadtrat gibt es viele, die das kritisch sehen, Verkehrschaos und Belästigung von Anwohnern befürchten. Klar gegen die Rückkehr positioniert hat sich in der Stadtrats-Debatte trotzdem keiner. Niemand will als der dastehen, der den Traditionsverein, der am Abgrund taumelt, alleine lässt. Zumal die Stadt erst vor wenigen Jahren mehr als zehn Millionen Euro ins Grünwalder investiert hat. Die nächsten Monate werden nun zeigen, wie die Fans sich verhalten – und, ob die Debatte um Sechzig in Giesing anschwillt oder abflaut. Es geht ja nur um Fußball, könnte man sagen. Man kann es aber auch anders sehen: Dass die Diskussion zusammengehört mit vielen anderen Fragen dieser Jahre: Wie lange man draußen feiern darf, wie mit der Trinker-Szene auf Plätzen umgegangen wird, was auch derbe Traditionen dieser Stadt in Konkurrenz zu (oft wohlhabenden, zugezogenen) Nachbarn Wert sind. Also: Wem diese Stadt gehört und wem nicht (mehr). Wie die Politik sich in diesen Konflikten positioniert. Und, wie sehr sich alte Münchner Arbeiterviertel wie Giesing, in dessen Stadion einst dreimal so viele Menschen strömten wie jetzt noch zugelassen sind, schon gewandelt haben.

DENKMAL FÜR HOMOSEXUELLE NS-OPFER Bewegendes Monument Am 27. Juni wurde das Münchner „Denkmal für die in der NS- Zeit verfolgten Lesben und Schwulen“ eingeweiht. Zugegeben: Man muss schon genauer hinsehen, um das Bodenmosaik der Künstlerin Ulla von Brandenburg gleich zu erfassen, denn die regenbogenfarbenen Steinplatten kommen (ganz im Gegensatz zum ursprünglichen Entwurf) in zarten Pastelltönen daher. Doch nach den vielen Jahren des Kampfes um dieses Denkmal dürfte diese Tatsache zur Randbemerkung werden. Rund 200 Gäste waren zur Eröffnung gekommen, darunter zahlreiche Mitglieder des Stadtrats sowie Vertreterinnen und Vertreter der LGBTIQ*-Community. Neben OB Dieter Reiter, Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers sowie der Künstlerin selbst fand vor allem Stadtrat Thomas Niederbühl, der sich viele Jahre für das Projekt starkgemacht hatte, bewegende Worte. Der Eröffnungsakt wurde begleitet vom Münchner Regenbogenchor. Das Denkmal befindet sich am Oberanger/Ecke Dultstraße – dort, wo einst das Schwulenlokal „Schwarzfischer“ stand, in dem 1934 die Nationalsozialisten die erste große Schwulenrazzia durchgeführt hatten. *bm STADTGESPRÄCH 13 Ist die Welle noch so steil, a bisserl was geht allerweil. www.az-muenchen.de/abo FOTO: LENBACHHAUS After the Fact – Ausstellung im Kunstbau Wir leben in turbulenten, instabilen Zeiten, und das nicht zuletzt aufgrund der schwindelerregenden Macht der Medien. Zum diesem Thema hat Kuratorin Stephanie Weber im Kunstbau des Lenbachhauses eine exzellente Ausstellung mit dem Titel „After the Fact – Propaganda im 21. Jahrhundert“ entworfen, die dort noch bis zum 17. September zu sehen ist. So benutzt der Künstler John Miller in seiner Gemälde-Serie „Everything Is Said“ Standbilder aus dem Reality-TV als Motivgrundlage, um den erhobenen Authentizitäts-Anspruch dieses TV-Genres anzuzweifeln. Er löst dabei ein Verdachtsmoment aus, wenn beispielsweise in einem Gemälde ein US-Soldat im Live-Fernsehen in Tränen ausbricht. „Die beste Propaganda erscheint im Gewand des Entertainments“, sagte der britische Kommunikationswissenschaftler Nick O’Shaughnessy. Nach dem Besuch dieser Ausstellung dürfte der Satz in den Köpfen der Besucher noch lange nachhallen. *jb Bis 17.9, Kunstbau Lenbachhaus, Luisenstr. 33, München, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Dienstag 10 bis 20 Uhr / www.lenbachhaus.de

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