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Leo April 2018

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FILM FOTO: SQUARE ONE/

FILM FOTO: SQUARE ONE/ UNIVERSUM „Jedes Leben ist lebenswert“ INTERVIEW ANDREW GARFIELD Unser Interview mit dem Star aus „Solange ich atme“. Andrew, Regie geführt bei „Solange ich atme“ hat Andy Serkis, den wir sonst eher als Gollum oder aus „Planet der Affen“ kennen. Kannten Sie ihn vorher? Nicht persönlich, aber natürlich seine Arbeit als Schauspieler. Ich war ein großer Fan. Aber ich muss zugeben, dass ich auch wirklich sehr erstaunt war zu erfahren, dass er nun einen Film inszenieren wollte, in dem Spezialeffekte und Tricktechnik nicht die geringste Rolle spielen. Das machte mich neugierig, und als wir uns dann unterhielten, war für mich sofort klar, dass ich in seinem Film dabei sein will. Er ist nicht nur ein wunderbarer Mensch, sondern – wie ich dann erfuhr – hat auch bildende Kunst studiert. Seine Erfahrung als Schauspieler gepaart mit dem Blick fürs Visuelle macht ihn zum idealen Regisseur. Er ist außerdem ein guter Freund und Produktionspartner von Jonathan Cavendish, dessen Vater Robin Sie nun spielen. Wie viel hat der Ihnen geholfen? Mich mit ihm über seinen Vater zu unterhalten, war Gold wert. Aber nicht nur er hat ganz viele Erinnerungen mit mir geteilt, sondern auch seine Mutter Diana, zahlreiche ihrer Freunde und sogar Ärzte, die damals Robin behandelt oder mit ihm für die Rechte von Körperbehinderten gekämpft haben. Allein die alten Fotoalben, die ich durchblättern durfte! Für meine Rolle war das enorm inspirierend. Den Großteil des Films sind Sie ans Bett oder den Rollstuhl gefesselt, denn nach einer Polio-Erkrankung war Cavendish vom Hals abwärts gelähmt. Wie war das für Sie? Das war eine interessante Herausforderung. Wobei das Körperliche eher mit technischen Fragen zu tun hatte: Wie funktioniert diese externe Herzpumpe, wie fühlt sich das an und wie geht man im Alltag damit um? Das eigentlich Schwierige waren natürlich die Emotionen, die an diesen Zustand geknüpft waren. Ich musste mich hineinversetzen in einen Vater, der nicht eingreifen kann, wenn er sieht, wie sein Sohn in einen Teich fällt. Der sich nichts mehr wünscht, als mit seinem Sohn Cricket zu spielen, obwohl er genau weiß, dass das niemals möglich sein wird. Wie Robin sich mit seiner Situation arrangiert hat und wie er und Diana beschlossen haben, sich über die Ärzte hinwegzusetzen und gegen alle Widrigkeiten ein möglichst erfülltes, gemeinsames Leben zu führen – das hat mich unglaublich bewegt und ich musste diesen wunderbaren Menschen einfach gerecht werden. Ist „Solange ich atme“ ein Film, von dem wir etwas lernen können? Jeder einzelne Mensch ist etwas wert, jedes Leben ist lebenswert. Das ist für mich die Botschaft dieser Geschichte, und so schlicht wie sie ist, scheint es leider immer noch nötig zu sein, uns daran zu erinnern. Schon Robin hat damals darum gekämpft, eine Brücke zu schlagen zwischen Menschen mit körperlichen Einschränkungen und solchen ohne. Ich würde mich freuen, wenn wir mit dem Film auch einen kleinen Teil dazu beitragen könnten. Ihre Filmehefrau Claire Foy wurde erst nach den Dreharbeiten wirklich berühmt, und zwar durch die Serie „The Crown“. Konnten Sie ihr ein paar Tipps mitgeben, was in Sachen Ruhm auf sie zukommt? Ich glaube, ich war der Letzte, von dem Claire einen Ratschlag brauchte. Ich hatte immer den Eindruck, dass sie bestens gewappnet ist für alles, was da kommt. Schließlich ist sie eine tolle Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und sehr genau weiß, was sie will. Sie war gut vorbereitet auf den Irrsinn, der ihr bevorstand. Zumindest eher, als ich selbst es war. Sie meinen, als Sie damals mit „The Amazing Spider-Man“ über Nacht zum Weltstar wurden? Genau! Ich war damals zwar auf dem Papier auch schon Ende zwanzig, aber wirklich erwachsen war ich nicht. Eher ein Kindskopf! Zum Glück hatte ich ein paar gute alte Freunde und meine Familie an meiner Seite, die mir den Kopf geradegerückt haben, denn plötzlich steht man vor lauter schrägen Situationen,

EIN FILM VON DOME KARUKOSKI auf die eine menschliche Persönlichkeit eigentlich nicht vorbereitet ist: Interviews geben, über rote Teppiche laufen – das sind alles vollkommen unnatürliche Momente. Ganz zu schweigen davon, dass ich lernen musste, mir nicht zu Herzen zu nehmen, wie fremde Menschen mich plötzlich behandelten. Weder die, die mir in den Arsch gekrochen sind, noch die, die sich über mich das Maul zerrissen haben. Ganz anderes Thema, denn „Solange ich atme“ drückt auf die Tränendrüse. Wann haben Sie zuletzt geweint? Im Kino? Weiß ich gerade gar nicht mehr genau. Aber „Ist das Leben nicht schön?“ ist zum Beispiel ein Film, der mich immer wieder zum Heulen bringt. Kullern sonst auch mal die Tränen? Ständig! Dafür schäme ich mich auch gar nicht. Ob ich im Fernsehen einen Bericht sehe über schreckliche Attentate oder Massaker oder ob mir ein Taxifahrer davon erzählt, dass sein Freund unheilbar an Krebs erkrankt ist – ich weine wirklich oft. Dabei gilt das bis heute vielen als unmännlich ... Ja, ja, ich weiß schon: Große Jungs weinen nicht. Aber darauf antworte ich immer: Echte Männer schon! In unserer Gesellschaft sitzen viele immer noch einem großen Irrglauben auf, was die Definition eines starken Mannes betrifft. Dabei gehen in meinen Augen Stärke und Männlichkeit Hand in Hand mit Verletzlichkeit. Der Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel hat zum Beispiel im letzten Jahr mehrmals live im Fernsehen geweint, wegen des Herzfehlers seines neugeborenen Sohnes oder wegen des Attentats in Las Vegas. Die Zuschauer, ich eingeschlossen, waren irritiert oder verwundert, was eigentlich traurig ist, denn genau solche unverstellt ehrlichen Emotionen sind in Zeiten wie den unseren wichtiger denn je. Hatten Sie schon mal das Gefühl, einem bestimmten Bild von Männlichkeit entsprechen zu müssen? Zum Glück nicht wirklich. Irgendwie wusste ich immer, dass es okay ist, Gefühle zu zeigen und auch mal schwach zu sein, selbst wenn sich andere womöglich darüber lustig machen. Instinktiv habe ich immer gespürt, dass es viel schlimmer ist, alle Emotionen zu unterdrücken und in sich hineinzufressen. Und tatsächlich bin ich überzeugt davon, dass diese verinnerlichte Scham mit dazu beiträgt, dass so viel mehr Männer als Frauen Selbstmord begehen. Zum Abschluss noch zu Ihrer Rolle in „Angels in America“. Sie waren 2017 in London in diesem legendären Stück über Homosexualität und Aids in den Achtzigerjahren zu sehen, nun stehen Sie darin auch am Broadway auf der Bühne ... Für mich ist es etwas ganz Besonderes, dass wir mit dem Stück nach New York gekommen sind. Das ist für Tony Kushners Werk eine Heimkehr, und das in Zeiten von Donald Trump. Eine der Figuren im Stück ist ja Roy Cohn, der als Anwalt früher auch Trump vertreten und beraten hat. In meinen Augen hat diese Geschichte heute nichts von ihrer Kraft eingebüßt, zumal man gesellschaftlich durchaus einen Bogen schlagen kann von heute in die Reagan-Ära, in der das Stück spielt. *Interview: Jonathan Fink Das ungekürzte Interview gibt es auf www.blu.fm JETZT AUF BLU-RAY , DVD UND VIDEO ON DEMAND! TOM OF FINLAND ® IS A REGISTERED TRADEMARK OF TOM OF FINLAND FOUNDATION, INC., LOS ANGELES, CALIFORNIA. TOM OF FINLAND IMAGES ARE COPYRIGHTED AND USED WITH PERMISSION FROM TOM OF FINLAND FOUNDATION TOM OF FINLAND © HELSINKI-FILMI OY, 2017. ALL RIGHTS RESERVED. © 2018 LAYOUT AND DESIGN SONY PICTURESHOME ENTERTAINMENT INC. ALL RIGHTS RESERVED

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