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leo 0416

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Film JULIANNE MOORE

Film JULIANNE MOORE Lesbische Liebe Oscar-Preisträgerin (2014 für „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“) Julianne Moore ist eine der wenigen Frauen über fünfzig, die es schaffen, kontinuierlich große Rollen in Hollywood zu landen. Sie legt aber auch viel Wert darauf, immer wieder in unabhängigen Produktionen mitzuwirken und diesen mit ihrem enormen Talent zu Erfolg zu verhelfen. Nebenbei schreibt sie Kinderbücher, macht stets einen natürlich-offenen Eindruck und hat sich öffentlich gegen Botox und Schönheitschirurgie ausgesprochen. Wir lieben diese Frau. •am FRAU MOORE, IHR NEUER FILM „FREEHELD“ ERZÄHLT DIE WAHRE GE- SCHICHTE EINES LESBISCHEN PAARES, DAS UM SEINE RECHTE KÄMPFT. DREHEN SIE EINEN SOLCHEN FILM IN ERSTER LINIE, WEIL SIE DAMIT ALS POLITISCH DENKENDER MENSCH EIN ZEICHEN SETZEN WOLLEN? Natürlich, das ist ohne Frage einer meiner Beweggründe gewesen. Aber für mich ist dieser Film nicht nur ein gesellschaftspolitisches Statement, sondern vor allem eine Liebesgeschichte. Und wissen Sie was? Ich liebe eine gute Liebesgeschichte. Es gibt doch im Leben eigentlich nichts Wichtigeres. Schon als junger Mensch träumt man doch irgendwie davon, jemanden zu finden, mit dem man sein Leben teilen kann. Einen Partner zu haben, ein gemeinsames Zuhause und ein gemeinsames Leben innerhalb einer Gemeinschaft – für die meisten Menschen gibt es keine schönere Vorstellung. Die Bürgerrechtsgeschichte in „Freeheld“ ergibt sich überhaupt erst auf dieser Basis. ABER DER GEDANKE DER LIBERALITÄT IST SCHON FEST IN IHNEN VERANKERT, ODER? Absolut. Ich bin überaus liberal und für Gleichberechtigung und Vielfalt in jeder Hinsicht. Meine Eltern haben mich so erzogen, aber auch die gesamten Erfahrungen meiner Kindheit und Jugend haben mich diesbezüglich geprägt. Je mehr man dem „anderen“ ausgesetzt ist, desto mehr verliert es ja an Bedrohlichkeit – und ist ganz schnell normal, nicht mehr anders. Ich habe einen amerikanischen Vater und eine irische Mutter, wir kamen viel rum und ich war vielen unterschiedlichen Kulturen, Gepflogenheiten und Ideen ausgesetzt. Dass jemand anders ist als sein Umfeld, das war für mich schnell nichts Besonderes mehr. AUCH SIE SELBST HABEN SICH SICHER- LICH MAL FREMD UND ANDERS GEFÜHLT, SCHLIESSLICH LEBTEN SIE DAMALS EINE WEILE IN DEUTSCHLAND. Ganz genau. Mein Vater war bei der Army, und wir hatten schon in den unterschiedlichsten Bundesstaaten in den USA und auch in Panama gelebt. Als ich 16 Jahre alt war, zogen wir dann nach Frankfurt. Noch viel mehr als in all den anderen Städten, in denen wir vorher gewohnt hatten, war ich dort die Neue.

Und auch die andere, selbst wenn ich dort die amerikanische Highschool besucht habe und es in Frankfurt eine riesige US-Community gab. Wobei ich diese Situation natürlich auf keinen Fall mit den Erfahrungen vergleichen will, die homosexuelle Menschen häufig machen. Und deren Sache lag mir immer sehr am Herzen. WEIL ... Weil ich 1983 nach dem College nach New York kam und dort zur Schauspielschule ging. Da gab es dann doch sehr viel mehr Spielarten zu erleben als bloß Heterosexualität. Und es war die Zeit, in der Aids sich auszubreiten begann. Ich erinnere mich noch, wie ein Kommilitone aus dem Urlaub in Mexiko wiederkam und danach die Gerüchte die Runde machten: Jeffrey hat sich mit der mexikanischen Grippe angesteckt und ist schwer krank. So nannte man das damals, Grippe. Oder Schwulen-Krebs! Zwei Wochen später jedenfalls war dieser junge Mann tot und er blieb nicht der Einzige. Diese Erfahrungen haben mich ganz selbstverständlich zur Aktivistin werden lassen. Anders konnte ich auf die Diskriminierung und Ausgrenzung nicht reagieren, die ich mitansehen musste. FÜR IHRE FILMPARTNERIN ELLEN PAGE WAR ES AUCH HEUTZUTAGE NOCH KEIN KINDERSPIEL, OFFEN ZU IHRER HOMOSEXUALITÄT ZU STEHEN. HABEN SIE DARÜBER GESPROCHEN? Selbstverständlich, und ich fand es unglaublich erhellend und bewegend, aus ihrem Mund darüber zu hören. Damals an der Schauspielschule in New York gingen in den Achtzigern alle meine schwulen Freunde ganz selbstverständlich damit um. Zumindest an der Uni und im Freundeskreis. Deswegen habe ich nie sonderlich viel darüber nachgedacht, wie es sich wohl anfühlt, „im Schrank“ zu sein und sich nach außen selbst zu verleugnen. Ellen hat das alles am eigenen Leib durchgemacht und war unglaublich offen mir gegenüber, was ich ihr gar nicht hoch genug anrechnen kann. Mich hat das sehr berührt, denn im Grunde wurde mir erst durch sie wirklich bewusst, welchen Schmerz es bedeutet, nicht öffentlich zu seiner Identität stehen zu können. WO WIR GERADE SCHON BEIM TRAURIGEN THEMA STERBEN WAREN: IHRE FIGUR IN „FREEHELD“ IST STERBENSKRANK. WIE SEHR NIMMT SIE EINE SOLCHE ROLLE WÄHREND DES DREHS MIT? Das hält sich in Grenzen. Wenn ich nach Hause komme, lasse ich die Rolle vor der Tür. Ich weiß, dass manche Kollegen sich damit schwertun, ihre eigene Person von der Arbeit getrennt zu halten. Aber ich kann mit dieser „Sprecht mich nicht an, ich bin Schauspieler und stecke gerade mit Haut und Haar in meiner Figur“-Attitüde nicht viel anfangen. Das ginge auch gar nicht, schließlich habe ich eine Verantwortung meiner Familie gegenüber. Meine Arbeit ist meine Arbeit, aber mein Mann hat eben auch seine Arbeit und meine Kinder machen ebenfalls ihr eigenes Ding. Das ist alles genauso wichtig wie mein Job, deswegen würde es mir nicht zustehen, mich da zu wichtig zu nehmen. Wenn zu Hause ein Berg Wäsche wartet und das nächste Fußballtraining ansteht, legt man den Arbeitsstress automatisch von einem Moment auf den nächsten ab. EIN JAHR VOR „FREEHELD“ SPIEL- TEN SIE IN „STILL ALICE“ AUCH SCHON EINE SCHWER KRANKE FRAU. DAFÜR GEWANNEN SIE ERSTMALS DEN OSCAR. WAS HAT IHNEN DAS BEDEUTET? Das war einfach eine ganz wunderbare Erfahrung. Die reinste Freude. Die Oscars haben ja nun einmal einen großen kulturellen Einfluss, das kann man nicht anders sagen. Schon in meiner Kindheit habe ich die Verleihung immer im Fernsehen gesehen. Aber natürlich geht man nicht unbedingt davon aus, dass man selbst einmal dort auf der Bühne steht und diesen Preis entgegennimmt. Dass es dann doch einmal so weit war und ich meinen Mann an meiner Seite hatte, habe ich sehr genossen. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass so viele Menschen in der Academy für mich gestimmt haben. WO BEWAHREN SIE DEN OSCAR DENN AUF? Ach, ganz unglamourös in meinem Büro. Direkt neben meiner Goldenen Palme, die ich in Cannes gewonnen habe. Ich staune immer, wenn einige Kollegen so tun, als sei ihnen der Preis so unwichtig, dass sie ihn praktisch gleich in die Mülltonne geschmissen hätten. Davon kann bei mir keine Rede sein. •Interview: Jonathan Fink TRAILER JETZT AUF & TRAILER präsentiert JETZT AUF . . inkl. deutscher Synchronfassung TRAILER JETZT AUF & ... und viele weitere Filme von PRO-FUN MEDIA jetzt im gutsortierten Handel u.a. Media Markt, Saturn, Amazon, Bruno’s Stores, Müller Drogeriemärkte, „Die schwulen Buchläden”... PRO-FUN MEDIA GmbH · Rödelheimer Landstr. 13a · 60487 Frankfurt Tel.: +49 69 707677-0 · Fax: -11 · E-Mail: service@pro-fun.de

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