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hinnerk September 2016

Film Interview JENNIFER

Film Interview JENNIFER SAUNDERS & JOANNA LUMLEY 24 Jahre ist es her, dass in Großbritannien die erste Folge „Absolutely Fabulous“ über die Bildschirme flimmerte und die beiden einigermaßen durchgeknallten und meistens gut angetrunkenen Freundinnen Eddy (Jennifer Saunders) und Patsy (Joanna Lumley) die Herzen nicht nur der schwulen Fans eroberten. Nach etlichen, eher sporadisch ausgestrahlten Staffeln und Specials (die gerade gesammelt in einer umfangreichen 10DVD-Box bei Polyband erschienen sind) hat es die beiden für „Absolutely Fabulous – Der Film“ nun erstmals auch auf die Leinwand verschlagen. Wir trafen Saunders und Lumley aus diesem Anlass in London zum Interview. JENNIFER, JOANNA, DIE FREUNDSCHAFT VON EDDY UND PATSY IN „ABSOLUTELY FABULOUS“ GEHÖRT ZU DEN KULTIGSTEN DER TV-GESCHICHTE. WAREN SIE SELBST SCHON BEFREUNDET, BEVOR SIE DAMALS 1992 DIE ERSTEN FOLGEN DREHTEN? Lumley: Oh nein, wir kannten uns gar nicht. Als wir uns das erste Mal bei der BBC begegneten, ging es schon um die Frage, ob ich Patsy spiele. Aber wir hatten ein paar gemeinsame Freunde, allen voran die Komikerin Ruby Wax. Saunders: Es war sogar Ruby, die vorschlug, dass ich Joanna in der Rolle besetze. Woraufhin ich etwas verblüfft war. Lumley? Konnte die denn witzig sein? Ruby zeigte mir dann einen Sketch, den Joanna für ihre Sendung „The Wax Show“ gedreht hatte – und sie war tatsächlich umwerfend komisch. Sie spielte darin sich selbst, allerdings vor die Hunde gekommen und schwer alkoholisiert. Das war perfekt, genau diesen Humor suchte ich. DAS IST ERSTAUNLICH, DENN VON FOLGE 1 AN STIMMTE DIE CHEMIE ZWISCHEN IHNEN BEIDEN WIE BEI EINEM ALTEN EHEPAAR. Lumley: Wir sind, wie sich dann schnell herausstellte, so etwas wie Seelenzwillinge. Das ist auch heute noch so. Wir sehen uns manchmal ewig nicht, aber beim nächsten Treffen ist es, als wären wir nie getrennt gewesen. Daran wird sich auch nie etwas ändern, schon allein weil Eddy und Patsy so unzertrennlich sind. Die beiden haben uns für immer zusammengeschweißt. Abgesehen davon sind wir aber natürlich auch jenseits der Kameras sehr schnell sehr gute Freundinnen geworden. HÄTTE ES DIE SENDUNG SO LANGE GEGEBEN, UND NUN SOGAR EINEN KINOFILM, WENN SIE SICH PRIVAT NICHT WIRKLICH VERSTANDEN HÄTTEN? Lumley: Oh nein, Jennifer wäre mich schnell wieder losgeworden. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie das hätte funktionieren sollen. Oder glaubst du, dass du trotzdem für mich hättest schreiben können? Saunders: Wahrscheinlich nicht. Oder nicht so gut. Aber genau aus diesem Grund trifft man sich ja auch erst einmal, bevor man jemanden besetzt. Ich hätte dich sicherlich nicht als Patsy besetzt, wenn ich damals nach unserer ersten Begegnung gedacht hätte: „Meine Güte, mit der wird es echt schwierig.“ EIN TREFFEN REICHT DAFÜR? Saunders: Eigentlich schon. In der Regel merkt man doch, ob das passt oder nicht. So war das auch mit Jane Horrocks, die Bubble spielt. Eigentlich sprach sie für die Rolle von Saffy vor. Ich spürte sofort, dass sie dafür nicht die Richtige ist. Aber ich mochte sie auf Anhieb so gerne, dass ich die andere Rolle dann extra für sie umschrieb. GAB ES IN ALL DEN JAHREN SEIT DER ERSTEN FOLGE EIGENTLICH UNTER­ SCHIEDE UND SCHWANKUNGEN ZU BEMERKEN IN DER POPULARITÄT VON „ABSOLUTELY FABULOUS“? Saunders: Nicht dass wir es bemerkt hätten, glaube ich. Aber wir haben uns auch immer bemüht, es nicht zu übertreiben und den Leuten nicht auf den Wecker zu gehen. Deswegen gab es ja nur alle paar Jahre neue Folgen. Lumley: Jedes Mal, wenn wir auf den Bildschirm zurückkehrten, waren wir einen Moment lang unsicher, ob die Serie genauso gut laufen würde wie beim letzten Mal. Und die Presse unkte auch immer: Mal sehen, ob sie es noch immer draufhaben. Aber zum Glück waren die Einschaltquoten jedes Mal aufs Neue hoch. Wir wurden immer wieder gefragt, wann wir endlich weitermachen – deswegen gibt es ja nun auch den Film. DAS INTERNET HAT SICHERLICH DAZU BEIGETRAGEN, DASS DIE BEKANNTHEIT VON „AB FAB“ AUCH ZWISCHEN DEN STAFFELN WUCHS ... Saunders: Sicherlich. Mir sind jedenfalls schon öfter Menschen begegnet, die berichteten, dass ihre Kinder uns dank YouTube kennengelernt haben. Lumley: Überhaupt ist es ja schön zu sehen, wie die Zuschauerschichten sich über die Jahre verändert haben. Viele Fans der ersten Stunde sind heute schließlich Rentner. Und neue, junge Fans kommen ständig dazu. Meine Schwiegertochter zum Beispiel fing

Film kürzlich an, meinen 11- und 13-jährigen Enkelinnen die Serie zu zeigen. Die entdeckten eine ganz neue Seite an ihrer Oma. WÜRDE DIE BBC HEUTE ÜBERHAUPT NOCH EINE SERIE WIE IHRE PRODUZIE­ REN? Saunders: Keine Ahnung. Ich sehe nichts Vergleichbares im Fernsehen, so viel kann ich sagen. Wahrscheinlich wäre es heute sehr viel schwieriger, eine Comedy dieses Stils auf den Bildschirm bringen. Lumley: Ich bin sicher, sie würden uns zwingen, die Sache harmloser zu gestalten. Politisch korrekter. Saunders: Überhaupt ist es heute sehr viel schwieriger, eine Serie umzusetzen. Man muss ständig Meetings abhalten, Drehbücher abnicken lassen, Testszenen drehen. Alles wird überprüft und getestet und mit der Marktforschung abgeglichen. Das widerspricht eigentlich der Natur des Komödiantischen. Anfang der 1990er hat man uns dagegen noch freie Hand gelassen. Die gingen das Risiko ein, uns einfach machen zu lassen. Zum Glück, denn wäre es nicht so gewesen, hätte ich mich nach fünf Minuten Stress mit Anzugträgern aus der Führungsetage lieber wieder zur Gartenarbeit zurückgezogen. Aber ich war nie überrascht, dass die Serie bei Schwulen gut ankam. Eddy und Patsy waren ja immer ein bisschen überlebensgroß, ein wenig überzeichnet, beinahe wie aus einem Cartoon. Dafür haben viele Schwule sicher mehr Sinn als etliche andere Zuschauer. Abgesehen davon standen diese beiden Frauen immer beispielhaft für Leute, die sich nicht das geringste bisschen darum scheren, was andere Leute von ihnen denken oder ob schlecht über sie geredet wird. So wie es ihnen selbst immer egal war, ob ihr Gegenüber homo, hetero oder sonst etwas war. FREUNDINNEN, DIE GERNE TRINKEN UND AUCH MAL ÜBER SEX REDEN, GAB ES AUCH NACH „AB FAB“ IM FERNSEHEN, ALLEN VORAN IN „SEX AND THE CITY“. ERKANNTEN SIE DARIN IHREN EINFLUSS WIEDER? Saunders: Ich weiß, dass sowohl Sarah Jessica Parker als auch die Autoren Fans von unserer Serie waren. Also kann man vielleicht wirklich sagen, dass Eddy und Patsy da Spuren hinterlassen haben. Würde mich freuen. Außerdem enden die Parallelen nicht bei den Drinks. Wir waren eine der ersten Serien, die das Modethema aufgegriffen haben. Das nahm dann bei „Sex and the City“ noch einmal eine ganz andere Dimension an. Lumley: Gemeinsam ist den Serien auch, dass sie Frauen zeigen, die für einander da und durchaus meinungsstark sind. Aber der Unterschied ist natürlich, dass es Eddy und Patsy nie auch nur im Entferntesten darum ging, den Mann fürs Leben zu finden. Deswegen glaube ich, dass es im echten Leben sehr viel mehr Menschen gibt, die tatsächlich so sind wie Eddy und Patsy, und weniger als die Mädels in „Sex and the City“. Saunders: Deprimierender als die in „Sex and the City“. Lumley: Betrunkener. Saunders: Deprimierender und betrunkener. •Interview: Patrick Heidmann Ab dem 8.9. im Kino. NIEMAND LIEBT EDDY UND PATSY MEHR ALS DIE SCHWULEN FANS. HATTEN SIE ES DARAUF ANGELEGT? Saunders: Gar nicht. Allerdings habe ich noch nie etwas mit Blick auf ein spezifisches Publikum geschrieben. Mit „Ab Fab“ habe ich versucht, meine Freunde zum Lachen zu bringen, und natürlich die Leute im Probenraum. GURKE ODER BANANE? – HAUPTSACHE FRISCHFLEISCH! „Die mutigste und innovativste Queer-Serie aller Zeiten” OUT MAGAZIN „In herrlicher Weise triumphierend und ausgesprochen schwul” GUARDIAN www.polyband.de Die neuen Serien von „Queer-As-Folk“-Autor Russell T. Davies – jetzt als Einzel-DVDs und Kombi-Blu-ray.

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