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hinnerk Februar 2018

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4 HAMBURG Das

4 HAMBURG Das Prostituiertenschutzgesetz trifft die Damen, die hier ihrem Gewerbe nachgehen auf jeden Fall, sie können der Zwangsregistrierung kaum entkommen. Community MITSTREITER GESUCHT Mit dem Aufklärungsprojekt PLIETSCH geht die AIDS- Hilfe seit zwei Jahren in die Hamburger Schulen. In den Workshops moderieren queere Ehrenamtler zwischen 18 und 35 Jahren Begegnungen Jugendlicher und junger Erwachsener mit unterschiedlichen Methoden. Es werden weitere Mitstreiter gesucht, die Lust auf diese Art der Aufklärungsarbeit haben. Das Reden über Sex und Lebensweisenvielfalt sollte selbstverständlich keine Schwierigkeiten bereiten. Alle Informationen zum Team und den Einsätzen gibt es bei Christian.Giebel@aidshilfehamburg.de. MITSPIELER GESUCHT Hamburgs ältester Gay- Dart-Club sucht Verstärkung. Der Dart-Club Extratour wird zwanzig Jahre alt und neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Gespielt wird eden Sonntagabend um 19 Uhr. Wer Lust hat, kann sich bei Wolfgang.Preussner@ hamburg.de melden oder einfach sonntags in der Extratour (Zimmerpforte) vorbeikommen. DIE TEDDYS WERDEN WIEDER VERGEBEN! Am 23. Februar vergibt die Szene in Berlin wieder den wohl wichtigsten LGBTIQ*- Filmpreis der Welt. Die mitunter spaßige und immer feierliche Preisverleihung findet am 23.2. ab 20:30 Uhr im Haus der Berliner Festspiele statt. Im Anschluss an die Preisverleihung mit vielen (Szene-) Stars feiern all die Cineasten ab 23:30 Uhr dann die rauschende „TEDDY Backstage Party“ auf der Seitenbühne. *rä www.teddyaward. tv/de/teddy GESELLSCHAFT DR. GOTTFRIED LORENZ: „Das Prostituiertenschutzgesetz ist ein Prostituiertendiskriminierungsgesetz!“ Dr. Gottfried Lorenz ist den meisten durch seine Arbeit am Stolpersteinprojekt für homosexuelle Opfer der Nationalsozialisten und die Aufarbeitung der Verfolgungsgeschichte nach 1945 bekannt. Ein weiteres Thema, das Lorenz seit einigen Jahren unter anderem in Vorträgen beim Hamburg Pride einem Publikum nahebringen will, ist die mann-männliche Internetprostitution. Über einhundert Interviews mit Sexarbeitern führte der 77-Jährige, erstellte sich sogar selbst Escort-Profile und machte so Erfahrungen aus erster Hand: „Ich urteile nicht vom hohen Ross und von außen, setze meine Erfahrungen aber auch nicht als Maßstab, sondern veröffentliche nur das, was von Kollegen bestätigt wird“, so Dr. Lorenz in Vorbereitung seiner neuesten Buchveröffentlichung. Der daraus entstandene Erfahrungsbericht ist eine deutliche Warnung vor staatlicher Gängelung, Menschen- und Sexualfeindlichkeit und ein Plädoyer für die Abschaffung des Prostituiertenschutzgesetzes. Dr. Lorenz gestattet hinnerk den auszugsweisen Abdruck. *ck ESCORTS WOLLEN SICH NICHT REGISTRIEREN LASSEN In diesem Aufsatz geht es um die mannmännliche Internetprostitution, und diese wird von Männern über 25 Jahren vornehmlich in eigener Verantwortung und in Eigenregie betrieben – und vorzugsweise als Nebenjob. Weder Zuhälter noch Bordellbetreiber können somit einen solchen Escort veranlassen, sich registrieren zu lassen. Er muss diesen Weg aus Eigeninitiative gehen. Das bedeutet: Er muss den Mut haben, sich bei einer staatlichen Institution als Escort/als Prostituierter/ als männliche Hure zu outen. Viele meiner Gewährsleute sind dazu nicht bereit, nur einer von ihnen hat es bisher getan. Überdies ist das Verfahren mit zwei oder drei Behördengängen (falls die Anmeldebescheinigung auf einen Alias-Namen ausgestellt werden soll) aufwendig. ZEITAUFWENDIG, ÜBERFLÜSSIG UND DEMÜTIGEND Ein Beispiel soll genügen: Ich hatte als Inhaber von Escort-Profilen Mitte 2017 beschlossen, mich nach dem Prostituiertenschutzgesetz anzumelden und mich registrieren zu lassen, um authentische Aussagen über dieses Verfahren und über alles, was damit zusammenhängt, treffen zu können und mich nicht auf Berichte anderer oder Mutmaßungen verlassen zu müssen. So habe ich Ende Oktober mit einem Anruf beim Gesundheitsamt in der Kurt-Schumacher-Allee 4 einen Termin für die „gesundheitliche Beratung GESAH

Nach wie vor ist Sexarbeit Ziel moralischer Angriffe. Das Prostituiertenschutzgesetz könnte dies noch verschlimmern. HAMBURG 5 Viele Studierende oder aber auch ganz normale Angestellte bessern sich ihre Finanzen durch nebenberufliche oder hobbymäßig betriebene Sexarbeit auf. 14“ vereinbart. Vorgesehen war der 6. November 2017, 15 Uhr. Dieser Termin wurde kurzfristig am Vormittag des 6. Novembers abgesagt und auf den 14.11.2017, 15 Uhr verschoben. Der Rückruf zeigt, dass meine Telefonnummer im Computer der Behörde schon gespeichert war, ohne dass klar war, ob ich überhaupt unter das Gesetz fiele. Die vorgeschriebene gesundheitliche Beratung fand dann am 14.11.2017 in einer freundlich-sachlich-höflichen Atmosphäre statt, bei der auch allgemeine Bedenken und Ängste gegen eine Registrierung angesprochen wurden: Die Indiskretionsgefahr vonseiten der Behörde, die Gefahr von Überwachungen und die Möglichkeit von neuen „rosa Listen“, wie sie während der NS-Zeit und der Nachkriegszeit gang und gäbe waren. Wie voraussehbar, versuchte die Behördenmitarbeiterin die Bedenken und Ängste zu zerstreuen. Am Ende wurde eine im Computer gefertigte Karte „über die gesundheitliche Beratung nach § 10 ProstSchG“ mit Namen, Geburtstag und Beratungstag ausgefertigt und überreicht. Diese musste am Tag der Registrierung samt Wohnbescheinigung, Personalausweis und zwei Passbildern mitgebracht werden. Auch die Vereinbarung des zweiten Termins ist der Initiative des Escorts überlassen. Im konkreten Fall erfolgte die Terminabsprache am 14.11.2017. Der nächstmögliche Termin war der 18. Dezember 2017 um 13 Uhr in der Großen Reichenstraße 14. Und wieder eine Beratung, als ob der Escort nicht wisse, was er tut. Der vereinbarte Termin wurde wahrgenommen – ein neuer wäre erst im März 2018 möglich gewesen. Das Gebäude Große Reichenstraße ist verschlossen, eine Informationstafel fehlt sowohl am Gebäudeeingang als auch im zweiten Stock an der Tür zu den Räumen der Dienststelle, um Besucherinnen und Besucher in den Augen anderer nicht zu diskriminieren, heißt es. Geklingelt werden muss unter FA-BEA*Pro (d. h. Fachamt Beratung, Erlaubnisse und Anmeldung nach dem Prostituiertenschutzgesetz). Leiter dieses Amtes ist der durch Studium und Lehre an der HAW (Hochschule für Angewandte Wissenschaften) Hamburg durch Publikationen und Praxis, z. B. beim Basis-Projekt basis & woge e. V., ausgewiesene Fachmann Fabio Casagrande. Seine Mitarbeiterinnen sind kompetent, freundlich, in Gesprächsführung geschult. Sie versuchen, die Schwellenangst zu überwinden, die vermutlich jede Person empfindet, die sich nach den gesetzlichen Vorschriften als Sexarbeiterin bzw. sexueller Dienstleister registrieren lassen will bzw. muss. Diese Bemerkung ist wichtig, denn die folgende Kritik hat nichts mit den Personen zu tun, die das Gesetz in Hamburg umsetzen – oder vielleicht besser: exekutieren – müssen. Das von diesem Gesetz vorgeschriebene Beratungsgespräch verlief bei einer Tasse Kaffee freundlich und entspannt. Auch wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, sich nicht auf die Registrierung einzulassen und stattdessen die Escortprofile zu löschen. In dem Gespräch wurde auf unterschiedliche Aspekte des ProstSchG eingegangen, doch konnten generelle Bedenken gegen die Registrierung nicht ausgeräumt werden. Das Gesetz verwendet den negativ konnotierten Begriff „Prostituierte“ statt der üblich gewordenen Bezeichnungen „Sexdienstleister“ oder „Sexarbeiterinnen“. Und letzten Endes ist die Registrierungsprozedur trotz aller Freundlichkeit demütigend und herabwürdigend, obwohl sie in Hamburg „humaner“ als in anderen Bundesländern verläuft und überdies kostenlos ist: Anderswo werden für die drei Phasen der Registrierung, nämlich 1. die gesundheitliche Beratung, 2. für das Beratungsgespräch vor der Registrierung und 3. für die Ausstellung der Anmeldebescheinigung (d. h. des Hurenpasses, des Prostituiertenausweises) 30, 40 bzw. 10 Euro verlangt. GEFAHR DER INDISKRETION UND ROSA LISTEN Ausgesprochen problematisch ist, dass die Daten der aufgrund dieses Gesetzes registrierten Menschen nicht nur bei der zuständigen Dienststelle erfasst, sondern unverzüglich an die Finanzämter weitergeleitet werden. Nun müssen sich vermutlich nicht allzu viele Nebenjob-Dienstleister aus finanziellen Gründen über diese Weiterleitung Gedanken machen, da ihre mo-

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