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GAB November 2018

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30 BÜHNE FOTO:

30 BÜHNE FOTO: WDR/STEVEN MAHNER Aus diesem Plan wurde aber nichts ... Richtig. Ich lernte meine damalige Freundin kennen und konnte mir vom einen auf den anderen Tag nicht mehr vorstellen, auch nur den Grundwehrdienst abzuleisten und von ihr getrennt zu sein. Ich habe daraufhin den Kriegsdienst verweigert. Mit Unterstützung meiner Mutter habe ich danach drei Jahre eine Schauspielschule besucht. Bei der Abschlussprüfung sang ich ein Lied und wurde für eine Band entdeckt. Nachdem ich ein Jahr mit den Jungs durch die Klubs und Festivals gezogen war, bekamen wir das Angebot, für die Bundeswehr in Afghanistan zu spielen. Meine Familie war davon nicht begeistert, aber ich fand es damals eine spannende Sache. Heute sehe ich das differenzierter. Es war nicht ungefährlich dort. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“ Wenn man Martin Walde vom Erscheinungsbild her beschreiben sollte, würde man die Worte sportlich, muskulös und maskulin wählen. Er ist der Typ Mann, nach dem sich Menschen auf der Straße umdrehen. Sieht man Martin Walde jedoch in der ARD-Kultserie LINDENSTRASSE, bietet sich ein ganz anderes Bild: Hier hat er langes blondes Haar, trägt High Heels und Röcke mit floralem Design. Du hast bereits im Kindergarten auf der Bühne gestanden und Sketche gespielt, dann folgte die Theater- AG an der Schule. Eigentlich der klassische Weg, so sagen zumindest viele Schauspieler rückblickend, die Anfänge ihrer Karriere betrachtend. Bei dir kam es aber erst einmal INTERVIEW Martin Walde verkörpert seit Mai 2016 Marek Zöllig, den Bruder von Nina Zöllig – aber im Laufe der Story wird schnell klar: Marek lebt im falschen Körper. Die Darstellung seiner Wandlung zur Transfrau Sunny polarisiert die Zuschauer und zeigt einmal mehr, wofür die LINDENSTRASSE seit ihren Anfängen 1985 immer wieder steht: für realitätsnahe Geschichten, die auch vor sperrigen Themen nicht die Augen verschließen. MARTIN WALDE IST SUNNY anders. Du wolltest zur Bundeswehr und dich verpflichten. War der Traum, Schauspieler zu werden, so schnell ausgeträumt für dich? Noch während der Theater-AG war ich überzeugt davon, in die Schauspielerei zu gehen. Meine Mutter hatte dies, im Gegensatz zu meinem Vater, der da eher konservativ dachte, immer unterstützt. Irgendwann mit 18 kam dann aber der Punkt, an dem ich nicht mehr daran glaubte, diesen Wunsch auch realisieren zu können. Nach dem Abitur wusste ich überhaupt nicht, wie es für mich weitergehen sollte. Als ich bei der Musterung dann die Bundeswehr kennenlernte und hörte, dass man bei Auslandseinsätzen gutes Geld verdienen könne, schien meine Berufswahl entschieden: Ich lasse mich verpflichten, sagte ich mir, spare Geld und überlege dann in ein paar Jahren noch mal genau, was ich beruflich machen möchte. Ab wann stand für dich fest, endgültig in der Schauspielerei angekommen zu sein? Die ersten Jahre als Schauspieler liefen mau bis gar nicht. Es gab immer viel Leerlauf, und ich habe mir selbst Deadlines gesetzt: Wenn ich mit dreißig nicht von der Schauspielerei leben kann, höre ich auf und ergreife einen anderen Beruf, dachte ich mir. Plötzlich kam dann eine Anfrage der RTL-Daily-Soap „Alles was zählt“. Ich habe in dieser Serie über ein Jahr lang einen recht unsympathischen, homophoben Fußballer gespielt. Und danach folgten weitere Rollenangebote. Mein Gesicht war inzwischen präsent, die Zuschauer lernten mich kennen. Mit Kunst hat die Arbeit bei einer Daily-Soap jedoch wenig zu tun. Richtig lernen und mich entfalten, auch wachsen, konnte ich als Schauspieler dann erstmals bei der LINDENSTRASSE. Daher kann ich sagen: Richtig angekommen bin ich hier. Du bist als Marek in die LINDEN- STRASSE eingestiegen, deine Rolle erlebte jedoch sehr schnell die Wandlung zu Sunny. War dir die Transgender-Storyline schon beim Vorsprechen bekannt oder hast du dich anfangs nur auf Marek vorbereitet? Die Transgender-Storyline war mir von Anfang an bekannt. Ich sollte als Mann einsteigen und im Laufe der Serie zur Frau werden. Dass ich diese Geschichte spielen darf, habe ich für mich als Geschenk angesehen, denn dadurch kann ich zeigen, dass ich Künstler bin. Hana Geißendörfer und Hans W. Geißendörfer haben mir mit dieser Rolle auch eine gewisse Verantwortung übertragen, denn wir sprechen natürlich auch Menschen an, die in genau derselben

Lebenssituation stecken wie Sunny. Menschen, die oftmals nicht wissen, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. Wie hast du dich in die Rolle eingearbeitet? Um sich als Schauspieler auf die realistische Darstellung einer Transfrau vorzubereiten, reicht es doch sicher nicht, nur das Drehbuch zu lesen. Ich habe sehr viel Fachliteratur gelesen, war im Internet unterwegs und arbeitete mich durch Begriffe wie Crossdressing und Cisgender. Letztlich hat mir aber am meisten geholfen, dass mir die Produktion ermöglichte, mich am Set der LINDEN- STRASSE mit echten Transfrauen zu treffen. Hier durfte ich wirklich alle Fragen stellen und erfuhr sehr schnell, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um ein glückliches und selbstbestimmtes Leben. Das klingt so selbstverständlich, ist es aber für viele betroffene Transgender leider noch nicht. Es gibt alle Formen von Selbstakzeptanz und Nicht-Akzeptanz. Was war dein erster Gedanke, als du in Frauenkleidern vor der Kamera standst? Ich muss nicht versuchen, eine Transfrau FOTO: WDR/MARTIN MENKE Marcel Schenk moderiert seit 2009 für diverse Radio- und Fernsehstationen. Aktuell sieht man ihn bei 1-2-3.tv (Deutschlands drittgrößtem Shoppingsender). Marcel liebt die Popmusik der 1980er- Jahre und Kultserien wie „Falcon Crest“ und „Lindenstraße“. zu spielen, sondern ich muss mich in eine Frau hineinversetzen. Transfrauen sind von Geburt an Frau, nur im falschen Körper. Sie denken auch nicht wie ein Mann. Es soll natürlich aussehen, auch wenn es nicht von Anfang an perfekt sein kann. Deine Rolle hat, nachdem die Transgender-Geschichte in der LIN- DENSTRASSE deutlich wurde, sehr stark polarisiert. Wie bist du mit dem Feedback der Zuschauer umgegangen? Hättest du gedacht, dass eine BÜHNE 31 solche Storyline auch 2016 noch derart für Aufregung sorgt? Ich habe nicht damit gerechnet, dass Sunny so viele Zuschauerreaktionen auslösen würde. Es kamen von Anfang an jede Menge positive Nachrichten über die sozialen Netzwerke, auch speziell das Feedback von Transgendern. Mir wurde dadurch bewusst, dass ich mit meiner schauspielerischen Arbeit in der LINDENSTRASSE anderen Menschen die Augen öffnen kann, ihnen Kraft gebe und sie indirekt vielleicht darin unterstütze, für ihr eigenes Leben Entscheidungen zu treffen. Das erfüllt mich schon mit Stolz, das darf ich sagen. Natürlich gibt es aber auch negative Kommentare und Nachrichten im Internet von Leuten, die es abscheulich und widerlich finden, einen Mann in Frauenkleidern zu sehen. Ich hoffe, dass Sunny dazu beitragen kann, den Zuschauern das Transidentitätsthema näherzubringen, und es der LINDENST- RASSE damit gelingt, für mehr Toleranz und Akzeptanz zu werben. Alle Nörgler wird man nie zufriedenstellen können. *Interview: Marcel Schenk, www.marcel-schenk.de Das komplette Interview mit Martin Walde gibt’s auf www.blu.fm Luxus Aus CHENILLE uND FROTTIER FEILER Store Frankfurt Schillerstraße 20 | Tel. +49 (0) 69 21932832 Öffnungszeiten: Mo – Fr 10 – 19 Uhr | Sa 10 – 18 Uhr www.feiler.de | www.feiler-blog.de find us on Facebook Besuchen sie auch unseren Online-shOp feiler.de

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