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Frankfurt 8 FOTO: SVG

Frankfurt 8 FOTO: SVG 2006 MEHR TRANS*-PRIDE BITTE! Die Frankfurter Stadtverordnete Jessica Purkhardt ist nicht nur sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, sie macht sich auch stark für die Rechte von transsexuellen Menschen. Im Interview erklärt sie, warum. TRANSSEXUELL, TRANSGENDER, TRAN- SIDENT – ERKLÄR DOCH BITTE MAL DIE BEGRIFFE! Transsexuell ist der älteste Begriff, den man seit Ende der 80er benutzt, als Abgrenzung zum Transvestitismus, der ja eher ein Kleidungs-Fetisch ist. Der Begriff Transsexualität leitet aber eigentlich auch fehl, weil er den Anschein erweckt, dass es sich um Sexualität handelt. Daher hat sich heute der Begriff transgender durchgesetzt, weil er am deutlichsten ausdrückt, dass es um die Geschlechterrollen geht, und eben nicht um das körperliche Geschlecht. Wichtig ist nicht, was man zwischen den Beinen hat. Transidentität ist noch mal ein besserer Begriff, der zum Beispiel auch für Leute wie mich gilt, also für jemanden, der dauerhaft in einer anderen Rolle lebt. Wichtig ist, dass „trans*“ immer einen Übergang bezeichnet. Ich bin also nicht mein ganzes Leben lang transsexuell, sondern möchte, in meinem Fall, als Frau leben. Für mich persönlich ist das Thema „trans*“ gewissermaßen abgeschlossen. Korrekt könnte man sagen, ich bin eine Frau mit einer transsexuellen Biografie. TROTZDEM BIST DU ABER SEHR ENGA- GIERT FÜR DIE TRANS*-SZENE? Ja, ich habe mich für dieses erneute Outing entschieden, auch in meiner politischen Arbeit, weil ich für meine Mädels was Schwul bist du ein ganzes Leben, trans* eben im besten Fall nur eine gewisse Zeit. bewegen will. Die Trans*-Bewegung in Deutschland ist nicht sehr ausgeprägt, sie hinkt im Vergleich zur schwul-lesbischen Emanzipation ehrlich gesagt weit hinterher, was aber auch mit dem Thema an sich zu tun hat: Schwul bist du ein ganzes Leben, trans* eben im besten Fall nur eine gewisse Zeit. Und kaum einer möchte ja als Berufstranssexuelle leben! Mein Weg war vergleichsweise einfach, ich hatte gute Voraussetzungen und viel Unterstützung von meinen Eltern. Vor allem habe ich durch meine Zeit in Thailand echten Trans*-Pride kennengelernt, was ich gerne auch mehr hier in Deutschland sehen würde. SIEHST DU IN DEINEM ENGAGEMENT EINE GEFAHR FÜR DEINE BERUFLICHE TÄTIGKEIT? Logischerweise habe ich mir Gedanken darüber gemacht. In meinem Fall gab es bislang keine Probleme, und man sollte die Leute auch nicht unterschätzen. Aber ich bin ja angetreten, um etwas für die Trans*-Community zu tun, und wenn das einen Nachteil in einem anderen Bereich mit sich zieht, nehme ich das in Kauf. DU HAST IM MAI AN DER TRANS*- INTER*-TAGUNG IN MÜNCHEN TEILGE- NOMMEN – UM WAS GING ES DA? Die Trans*-Inter*-Tagung ist ein Treffen bundesweiter Trans*-Gruppen, die sich unter anderem mit der Reform des Transsexuellengesetzes auseinandersetzt und Empfehlungen für den Gesetzgeber formuliert. Das Gesetz gilt für Trans*-Frauen wie für Trans*-Männer. Es wird höchste Zeit für die Reform des Gesetzes! Es stammt aus dem Jahr 1980

und vieles ist realitätsfern. Andere Länder wie Dänemark, Malta oder Irland beweisen, dass es anders funktioniert und dass es keine zwingenden Gründe gibt, daran festzuhalten. Die Frage ist lediglich, wie progressiv man mit dem Thema umgehen möchte. Es gab bundespolitische Bestrebungen, aber momentan wird alles, was wichtig und progressiv ist, vom Bundesverfassungsgericht entschieden. WAS MÜSSTE SICH AM TRANSSEXU- ELLENGESETZ ÄNDERN? Wichtig ist die Abschaffung der Gutachterpflicht und des Gerichtsverfahrens zur Namensund Personenstandsänderung. Wenn man in einem anderen Geschlecht leben möchte, benötigt man zwei psychologische Gutachten, die jeweils rund 1.000 Euro kosten, die man selbst bezahlen muss. Eine große Hürde! Dazu kommt der Behördenaufwand des Gerichtsverfahrens für die Änderung des Namens und zusätzlich des Geschlechts im Reisepass – denn nur dort ist es verzeichnet. Des Weiteren fordern wir die Abschaffung des Transsexuellengesetzes als Sondergesetz. Warum benötigen wir ein Sondergesetz für Menschen, die gesundheitlicher Fürsorge bedürfen? Die behördlichen Verfahren können auch bei den entsprechenden Ämtern geregelt werden. Weitere Punkte sind Verschärfungen bei der Verletzung der Offenbarungspflicht seitens der Behörden, bei verbotener Weitergabe der Infos über die Trans*-Biografie einer Person, sowie die rechtliche Absicherung der Leistungspflicht der Krankenkassen, wenn es um geschlechtsangleiche Maßnahmen wie Hormontherapie oder Epilation geht. Das derzeitige System führt zu absurden Situationen: Das Gericht verlangt zum Beispiel einen Alltagstest, wo du 18 Monate in der anderen Rolle gelebt haben musst. Erst dann besteht meist überhaupt die Möglichkeit, Hormontherapien oder Epilationsbehandlungen zu bekommen. Aber wie soll man den Alltagstest ohne Epilation schaffen, wenn man zum Beispiel einen starken Bartwuchs hat? ERFÜLLEN DIESE VORSCHRIFTEN ABER NICHT AUCH SCHUTZFUNKTI- ONEN? SO EINE ENTSCHEIDUNG, DAS GESCHLECHT OPERATIV ZU ÄNDERN, IST JA SCHON EIN GEWAL- TIGER EINSCHNITT IM LEBEN? So hat man früher mal argumentiert. Die Transsexuellen sollten vor sich selbst geschützt werden und die Gesellschaft vor den Transsexuellen. Die geschlechtsangleichende Operation war früher mal zwingend, um den Personenstand zu ändern, aber auch, um die Zeugungsunfähigkeit zu beweisen. Das Bundesverfassungsgericht hat das inzwischen für ungültig erklärt, auch weil die Warum benötigen wir ein Sondergesetz für Menschen, die gesundheitlicher Fürsorge bedürfen? psychologische und therapeutische Praxis gezeigt hat, dass man am Wunsch nach einer geschlechtsangleichenden Operation nicht zwangsläufig Transsexualität ablesen kann. Die Realität zeigt, dass schätzungsweise dreißig bis vierzig Prozent der Trans*-Leute ohne diese Operation leben. Wenn sich jemand für diesen Schritt entschieden hat, wird er ihn auch tun – und wenn es in Deutschland nicht geht, geht man ins Ausland. Wenn Willen und Geld da sind, wird es getan. Da helfen die Vorschriften gar nichts, im Gegenteil stellen sie lediglich Hürden dar, die verhindern, dass man ein entsprechendes Leben führen kann. Und für unsere Gesellschaft und die Volkswirtschaft ist es schließlich auch wichtig, dass niemand wegen Krankheit oder psychischer Probleme ausfällt. Wer trans* ist, möchte diesen Zustand so schnell wie möglich hinter sich lassen, um mit dem Leben zu starten. WO KANN MAN SICH IN FRANKFURT ALS TRANS*-PERSON HINWENDEN? Es gibt keine offizielle Informationsstelle in Frankfurt. Seit der Schließung der sexualmedizinischen Ambulanz an der Uniklinik, die sehr gute Arbeit geleistet hat, fehlt das in Frankfurt. Als Ansprechpartner gibt es zum Beispiel aber die Selbsthilfegruppe Trans-Ident, die gut informiert ist und gut berät. Auf Bundesebene gibt es die dgti, die Deutsche Gesellschaft für Trans- und Intersexualität, an die man sich wenden kann. • Interview: Markus Pritzlaff, Björn Berndt Mehr Infos zum Thema: www.trans-ident.de, www.dgti.org C M Y CM MY CY CMY K 22. Juni – 1. Juli OPERN PLATZ FEST 2016 Täglich 11 – 23 Uhr Rosa Montag 27. Juni, 18 Uhr LIVE ON STAGE Travestie mit Jessica Walker & Kelly Heelton Teresa Kästel & Band Agatino Sciurti Moderation: Helena Marion Scholz 38 O P E R N P LAT Z F E S T JAHRE Weitere Programminfos: www.opernplatzfest.com FRANKFURT 951

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