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Film „Der Moment der

Film „Der Moment der Wahrheit“ CATE BLANCHETT Der populäre Fernsehnachrichtenmann Dan Rather und seine Produzentin Mary Mapes verloren ihre Jobs, nachdem 2004 im Wahlkampf Zweifel an den Quellen zu einer Geschichte über die Soldatenvergangenheit von George W. Bush aufgetaucht waren. Jetzt kommt die Geschichte in die Kinos. Wir sprachen mit der Hauptdarstellerin. CATE, DER VORFALL UND DIE PERSONEN, UM DIE ES IN „DER MOMENT DER WAHR- HEIT“ GEHT, SIND IN DEUTSCHLAND KAUM BEKANNT. WARUM SOLLTE MAN SICH DEN FILM TROTZDEM AUCH BEI UNS ANSCHAUEN? Weil er kein Film über George W. Bush oder die amerikanische Politik ist. Genauso wie damals „Die Unbestechlichen“ nicht von Richard Nixon handelte. Aber „Der Moment der Wahrheit“ ist auch kein Biopic über Mapes und Rather, sondern es geht um die ungesunde Vermischung der US-Wirtschaft mit den Medien und der Politik. Die Geschichte, die wir erzählen, wirft einige wirklich interessante Fragen auf, die letztlich die Medien in allen westlichen Gesellschaften betreffen. Sehen Sie sich nur die TV-Debatten im aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampf an: wenig Inhalt, wenig Ideologie, wenig Vision. Stattdessen dreht sich alles um Persönlichkeiten – und Umfrageergebnisse. HAT DIE BESCHÄFTIGUNG MIT DEM FILM IHREN BLICK AUF DIE MEDIEN VERÄN- DERT? Nicht wirklich. Durch meinen Beruf bin ich selbst ja viel dichter dran an den Medien als die meisten Menschen. Ich spreche sehr viel öfter mit Journalisten, als mir lieb ist, also weiß ich, wie der Hase läuft. (lacht) Abgesehen davon bin ich politisch interessiert und verfolge entsprechend die Nachrichten, im Fernsehen genauso wie in der Zeitung. Hier wie dort war in den letzten Jahren nicht zu übersehen, dass es um den investigativen Journalismus immer schlechter bestellt ist. Die „Dass es Menschen gibt, die sich für mich und mein Leben interessieren, sehe ich eher als Luxusproblem“ Nachrichten sind immer mehr zu einer Aneinanderreihung von Schlagzeilen geworden, auch Twitter und die Blogosphäre haben alles verändert. Zwischen Meinung und Fakten lässt sich ja kaum noch unterscheiden. Unser Film hat mir also nichts enthüllt, was ich im Allgemeinen nicht wusste. Aber die Details, in denen er das seziert, fand ich ungemein faszinierend. Und ich sehe mich durch ihn einmal mehr in meiner Empfindung bestätigt, dass mich die Nähe unserer Politiker zur Wirtschaft und zu den großen Medienkonzernen ärgert. SIE HABEN DIE VON IHNEN GESPIELTE MARY MAPES GETROFFEN. WARUM WAR IHNEN DAS WICHTIG? Es ging mir dabei gar nicht um Details, denn wie gesagt: „Der Moment der Wahrheit“ ist kein Film über Marys Leben. Aber ich wollte herausfinden, wie sie heute auf diese Episode ihres Lebens zurückblickt. Wie tief diese Wunde wirklich ist. Und lassen Sie mich versichern: Sie ist tief! HATTEN SIE VIEL ZEIT FÜR SOLCHERLEI RECHERCHEN? Im Gegenteil, denn der Film kam sehr kurzfristig zustande. Ich stand gerade in New York auf der Bühne, weswegen Mary sich das Stück ansah. Sicherlich seltsam für sie, mich in Jean Genets „Die Zofen“ zu sehen in dem Wissen, dass ich sie spielen würde. Am nächsten Tag haben wir lange zusammen gefrühstückt und uns dann ein paar Tage später noch einmal getroffen. Ich glaube, ihr hat es gut gefallen, sich mal alles von der Seele zu reden, nicht zuletzt, weil es ihr nach den Ereignissen 2004 ja lange vertraglich verboten war, sich öffentlich dazu zu äußern. FÜHLTEN SIE SICH BISWEILEN AN IHREN FRÜHEREN FILM „DIE JOURNALISTIN“ ERINNERT? DARIN SPIELTEN SIE 2003 DIE EBENFALLS REALE JOURNALISTIN VE- RONICA GUERIN, DIE NACH RISKANTEN RECHERCHEN ERMORDET WURDE ...

Film Natürlich sind mir Parallelen aufgefallen. Was Mary und Veronica – neben ihrem Hunger nach Wahrheit und der Leidenschaft für investigativen Journalismus – gemeinsam haben, ist ohne Frage ihr Missfallen an Scheinheiligkeit und ihre Abneigung gegen sogenannte Bullys, also Leute, die andere Menschen schikanieren, einschüchtern und mobben. Gleichzeitig denke ich, dass sie sehr unterschiedlich mit solchen Tyrannen umgegangen sind. Während Veronica Guerin eher ein einsamer Wolf war, agierte Mary stets als Team-Player. Abgesehen davon, dass sie hinter der Kamera und auch in ihren Storys im Hintergrund blieb, während Veronica sich und ihre persönliche Meinung vehement in ihre Texte einbrachte. SIE HABEN SCHON DIE EIGENEN ERFAHRUNGEN MIT DER PRESSE ANGEDEUTET. FÜHLEN SIE SICH ALS FILMSTAR DA OFT BELÄSTIGT? Als Filmstar? So sehe ich mich selbst ehrlich gesagt nicht. Ich bin Schauspielerin, nicht mehr und nicht weniger. Außerdem habe ich vier Kinder und bin in Sidney mit unserer Theaterkompanie beschäftigt. Alles andere interessiert mich nicht, deswegen findet man mich auch weder bei Facebook und Twitter noch bei Instagram. Dass es Menschen gibt, die sich für mich und mein Leben interessieren, sehe ich eher als Luxusproblem. Wobei ich selbst das gar nicht nachvollziehen kann. Persönlich jedenfalls finde ich es im Kino am schönsten, so wenig wie möglich über die Leute dort auf der Leinwand zu wissen. Nur so kann man sich doch wirklich auf die Rollen einlassen, die sie spielen. AB 2. JUNI IM KINO IN DER TAT IST ES EIGENTLICH ERSTAUNLICH, WIE SELTEN SIE IN DEN KLATSCHBLÄTTERN ZU FINDEN SIND ... Dabei ist es keine Zauberei. Ich spreche einfach nicht über mein Privatleben, fertig. Und Urlaubsfotos stelle ich auch keine ins Netz. Je nachdem, mit wem man ausgeht und wo man seine Abende verbringt, sieht die Sache natürlich anders aus. Aber das hat man ja durchaus selbst in der Hand. Wobei ich schon staune, wie sich diese Klatsch-Berichterstattung in den letzten 15 Jahren verändert hat. Als ich damals meine Karriere begann, wurde man ohne Frage deutlich weniger behelligt. DANN LASSEN SIE UNS DOCH ZUM ABSCHLUSS NOCH KURZ ÜBER „CAROL“ SPRECHEN, DER INZWISCHEN AUF DVD ERSCHIENEN IST. WAS MACHT DEN FILM FÜR SIE SO BESONDERS? Oh, ganz viele Aspekte. Zum einen erzählt er einfach eine wunderschöne Geschichte über das Verlieben. Und zwar ganz allgemein, auch wenn natürlich sowohl der Altersunterschied der beiden Frauen als auch das Außenseiterdasein ihrer Liebe – sprich: Homosexualität in den Fünfzigerjahren – dabei eine wichtige Rolle spielen. Zum anderen war es für mich ohne Frage Todd Haynes, der „Carol“ zu einem außergewöhnlichen Film machte. WARUM DAS? Er ist einfach anders als alle anderen Regisseure, mit denen ich je gearbeitet habe – was ich ja durch unsere erste Zusammenarbeit bei „I’m Not There“ schon wusste. Er hat einerseits den Hunger und die Risikobereitschaft eines Filmstudenten, andererseits aber die Expertise, die Weitsicht und das Feingefühl eines großen Meisters. Das Verschmelzen dieser beiden Elemente sorgt in der Arbeit mit ihm für eine Atmosphäre, die ich sonst noch nie erlebt habe. •Interview: Jonathan Fink

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