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GAB Februar 2019

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34 GESUNDHEIT Mit 23

34 GESUNDHEIT Mit 23 Jahren ist Felix Martin nicht nur einer der jüngsten Abgeordneten im Hessischen Landtag, der Bündnisgrüne ist auch einer der wenigen, die mit dem Thema HIV offen umgehen. Ein Gespräch über den Umgang mit Tabuthemen und die Vorbildfunktion von Politikern. *bjö Mit dem Thema Krankheiten wird in der Regel nicht offen umgegangen, HIV und Aids sind mit noch größeren Tabus belegt. Was hat dich dazu bewogen, das Thema trotzdem so offen kommunizieren? Durch die Politik stehe ich immer wieder in der Öffentlichkeit. Diese möchte ich nutzen, um die wertvolle Aufklärungsarbeit, die viele Organisationen leisten, zu unterstützen und Stigmatisierung abzubauen. Viele Menschen haben ein stark veraltetes Bild von HIV, es geht also auch darum, durch öffentliche Sichtbarkeit Wissen zu vermitteln. Mir hätte es nach meiner Infektion geholfen, wenn ich andere Betroffene gekannt hätte. Denkst du, dass Politiker in dieser Hinsicht auch ihrer Vorbildfunktion gerecht werden sollten? Politiker haben eine Verantwortung, sich Themen grundsätzlich offen und vorbehaltslos zu nähern. Mir war und ist es wichtig, anderen Betroffenen Mut zu machen. Ich bin aber nicht der Meinung, dass ein Mensch etwas so Privates wie eine INTERVIEW HIV Eine individuelle Entscheidung Erkrankung offenlegen muss, bloß weil er politisch aktiv ist. Das ist eine individuelle Entscheidung. Abgesehen von der Gefahr der Diskriminierung: Hast du dir darüber Gedanken gemacht, mit deinem Outing auf das Thema HIV „reduziert“ zu werden, auch bei deiner politischen Arbeit? In der Politik tut es gut, Bezugspunkte zu einem Thema zu haben. Genauso wie ich als Finanzpolitiker von meiner beruflichen Praxis als werdender Bankkaufmann profitiere oder als Sozialpolitiker von jahrelanger Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit, profitiere ich in der Antidiskriminierung von eigenen Erfahrungen. HIV ist lediglich ein Bestandteil meines Lebens, der zu vielen anderen hinzukommt. Aufgrund deines Alters von 23 Jahren hast du die Aids-Krise der 80er und 90er Jahre persönlich nicht miterlebt; wie hast du HIV und Aids wahrgenommen, bevor du mit deiner Diagnose konfrontiert wurdest? Für mich war HIV überhaupt nicht greifbar. Mir fehlte der konkrete Bezug zum Thema. Deshalb habe ich bei den ersten Symptomen auch überhaupt nicht an diese Diagnose gedacht. Danach war ich geschockt. Ein veraltetes Bild von HIV – das sich im Kern auf die Zeiten von Freddy Mercury zurückführen lässt – hat mir Angst gemacht. Im Nachhinein betrachtet haben sich diese Ängste allesamt als unbegründet erwiesen. FOTO: GRÜNE HESSEN Welche politischen Themen stehen auf deiner Agenda für Hessen, welche hinsichtlich LGBT*IQ-Themen und was könnte man im Bereich HIV und Aids verändern? Gerade als junger Mensch ist mir Generationengerechtigkeit ein wichtiges Anliegen. Es ist nicht gerecht, wenn wir die Welt kaputt leben oder Schulden auf dem Rücken nachfolgender Generationen machen. Deshalb müssen wir alle Hebel beim Klimaschutz in Bewegung setzen und Haushaltspolitik nachhaltig denken. Was die Queerpolitik angeht, haben wir gemeinsam mit der Community enorm viel erreicht. Mit dem Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt konnten grandiose Projekte realisiert werden. Wir werden jetzt den Aktionsplan gemeinsam mit den Beteiligten weiterentwickeln und finanziell besser ausstatten. Beispielsweise wollen wir die Peer-Beratung für Trans* in die Arbeit der Netzwerkstellen integrieren und dafür ein eigenes Budget bereitstellen. Um die öffentliche Sichtbarkeit voranzubringen, wollen wir unter anderem einen Preis für couragierte Lesben initiieren. Außerdem wollen wir die Integration von queeren Geflüchteten weiterhin unterstützen und das Beratungsnetzwerk „Rainbow Refugee Support“ der hessischen AIDS-Hilfen fördern. „Politiker haben eine Verantwortung, sich Themen grundsätzlich offen und vorbehaltslos zu nähern“. Im Bereich HIV und Aids wird Hessen das Programm „UNAIDS 90/90/90“ der Vereinten Nationen unterstützen und damit dazu beitragen, Wissen zu vermehren, Neuinfektionen zu reduzieren und möglichst viele Todesfälle zu verhindern. Im Bundesrat wollen wir uns für ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien zur „Heilung“ Homosexueller einsetzen. Das und vieles mehr steht für die kommenden fünf Jahre auf dem Plan und ich freue mich schon darauf, mich mit und für die Community einzusetzen. www.felimartin.de

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