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GAB Februar 2019

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32 GESUNDHEIT FOTO:

32 GESUNDHEIT FOTO: STOCKSNAP, PIXABAY.COM, GEMEINFREI HIV- Neuinfektionszahlen gesunken INTERVIEW online bestellt werden. Schwierig finden wir es, dass die Tests auch in Drogerien verkauft werden sollen, weil das Personal zu wenig qualifiziert und geschult dafür ist. Manche Ketten haben aus diesem Grund auch bisher abgelehnt, die Tests anzubieten. Und natürlich ist da auch immer die Frage, was passiert, wenn eine HIV-Infektion nachgewiesen wird. Das steht nämlich nicht in der Bedienungsanleitung! Deswegen haben wir gesagt, wir verkaufen diese Tests auch bei uns, allerdings immer in Verbindung mit einem Beratungsgespräch. Der Selbsttest kostet bei uns 20 Euro, die Beratung gibt’s gratis dazu. Mobbing im Netz: Wer keine PrEP nimmt, bekommt kein Date Jedes Jahr veröffentlicht das Robert-Koch-Institut RKI die Zahlen zu HIV-Neuinfektionen in Deutschland, die wie in den Jahren zuvor weiter gesunken sind: von 3.100 Neuinfektionen in 2016 auf 2.700 in 2017. Ein Gespräch mit Carsten Gehrig vom Fachbereich Psychosoziales und Prävention der AIDS-Hilfe Frankfurt über Safer-Sex-Strategien im Jahr 2019. Gilt der bundesweite Trend der sinkenden Infektionszahlen auch für Hessen? Ja, den Trend können wir bestätigen. Die Zahlen stammen von Ende 2017, noch vor Einführung der bezahlbaren PrEP. Ich denke, dass die Neuinfektionszahlen in Zukunft noch einmal sinken werden, ähnlich wie in England oder Frankreich nach Einführung der PrEP. Gibt es Untersuchungen darüber, wie sich das Safer-Sex Verhalten entwickelt? Das erfasst die Untersuchung des RKI nicht, aber wir bekommen über unseren MainTest zu mindest eine Idee davon. Es gibt zwei Schienen: Die einen bleiben beim Kondom, die anderen entscheiden sich für die PrEP und empfinden das als ein Wiedererlangen von sexueller Freiheit, die ihnen über die Jahre verloren gegangen ist. FOTO: MICHAEL GOTTSCHALK Carsten Gehrig Die PrEP ist eine Safer-Sex-Strategie, um sich nicht mit HIV zu infizieren. Und ich betone HIV, weil die PrEP vor den anderen Infektionskrankheiten wie Tripper, Hepatitis oder Syphillis nicht schützt. Aber das nehmen viele in Kauf um ohne Kondom Sex zu haben. Was gerade auch sehr aktuell ist: Über die Dating-Apps findet fast ein Mobbing statt, nach dem Motto, wenn du keine PrEP nimmst, gibt’s halt keinen Sex. Da fühlen sich viele unter Druck gesetzt. Das ist jetzt nicht evaluiert, das sind aber Schwingungen, die da sind. Und da müssen wir in der Beratung natürlich gegensteuern. Deswegen sagen wir, man muss sich selber schützen und herausfinden, welche Strategie für einen passt. Unsere Strategie ist es, jeden zu bestärken, aus dem Portfolio von Safer-Sex-Strategien auszuwählen. Es ist gut, dass es Kondome gibt, es ist gut, dass es die PrEP gibt und es ist gut, dass es Schutz durch Therapie gibt. Diese Auswahl hatte man vor ein paar Jahren ja noch überhaupt nicht. Wie steht die AIDS-Hilfe Frankfurt zum HIV- Selbsttest? Wir begrüßen den Schnelltest, weil es ein niedrigschwelliges Testangebot ist und vielen die Möglichkeit bietet, sich zu testen. Besonders in Regionen, wo es eben nicht wie in Frankfurt ein Netzwerk von AIDS-Hilfe, Gesundheitsamt oder Arztpraxen gibt. Den Schnelltest bekommt man in der Apotheke oder er kann ... dann könnte man sich aber auch gleich in der AIDS-Hilfe testen lassen, oder? Ja, aber wir bieten die Selbsttests auch im Rahmen unserer Sprechstunde an, und der MainTest ist nur montags und mittwochs. Die Beratung kann man die ganze Woche haben. Dabei wird der Test detailliert erklärt, aber auch gefragt, wieso man einen Test machen möchte, ob es überhaupt einen Infektionsrisiko gab und wie lange das zurück liegt. Denn zwischen Infektionsrisiko und Test müssen 12 Wochen liegen. Das ist eine Riesenspanne! Die Tests sind zwar einfach, aber sich in den Finger zu stechen und das Blut herauszudrücken, ist auch nicht jedermanns Sache. Es gibt außerdem verschiedene Anbieter mit verschiedenen Ausführungen und man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass die Sensitivität bei über 99 Prozent liegen muss. Es gibt auch Anbieter, die Selbsttests mit weniger Sensitivität verkaufen, die sind dann meist etwas billiger, dafür nicht so verlässlich. Wegen dieser Punkte ergänzen wir ein kleines „aber“ beim Selbsttest, denn einfach zu sagen, so, das gibt es jetzt, reicht nicht. Es gibt ja auch immer wieder Stimmen, die sagen, „die AIDS-Hilfe braucht es nicht mehr”, aber ich bin der Meinung, man braucht sie mehr denn je, allerdings mit einem anderen Schwerpunkt. Egal welches Medikament auf den Markt kommt, das ganze Zwischenmenschliche bleibt, die psychosozialen Aspekte interessieren nach wie vor, und die anderen Infektionskrankheiten bleiben, das geht ja nicht weg. Und da bieten wir Hilfe zur Selbsthilfe. *Interview Björn Berndt www.frankfurt-aidshilfe.de Das komplette Interview mit Carsten Gehrig gibt’s auf www.blu.fm/gab

GESUNDHEIT 33 Fast Track Diagnose FOTO: BJÖ Auch wenn die aktuellen Zahlen des Robert Koch Instituts RKI bestätigen, dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen kontinuierlich sinken, kann man in der Auswertung einen Anstieg bei anderen Geschlechtskrankheiten – kurz STDs – feststellen. Wie kommt es dazu? Ein Gespräch mit Dr. Alexander Bodtländer von der Frankfurter Praxis im Nordend. „Ich habe gar nicht mal den Eindruck, dass es wirklich mehr STD- Infektionen gibt“, meint Dr. Alexander Bodtländer von der Frankfurter Praxis im Nordend. „Sie werden heute nur häufiger oder früher entdeckt. Man muss die absolute Zahl immer in Relation zu der Zahl der Personen setzen, die sich haben testen lassen“. Durch ein breiteres Testangebot für HIV und STDs ist die Testbereitschaft generell gestiegen, insbesondere gilt das für PrEP-Nutzer, die sich regelmäßig testen lassen müssen – mehr Tests bedeuten also immer auch mehr positive Ergebnisse. Nichts desto trotz gilt für HIV wie die anderen STDs: je früher sie entdeckt werden, desto besser können sie behandelt werden. „Viele Infektionen sind ohne Test oft nicht eindeutig erkennbar“, erklärt Bodtländer. „Ein Tripper kann zum Beispiel am Penis einen Ausfluss auslösen – das sieht man eindeutig. Im Bereich des Rachens oder des Anus ist das aber meist gar nicht so offensichtlich“. Für Konzepte, die die Testbereitschaft weiter steigern, muss man ins Ausland schauen: Sogenannte „Fast Track Diagnostics“-Center, die es erfolgreich in San Francisco, Toronto und Sydney gibt, sind auf STDs spezialisiert, bieten Tests inklusive sofortiger Behandlung an Ort und Stelle an. „In Berlin gibt es seit vergangenem Jahr ein solches Center, das Checkpoint heißt“, erklärt Bodtländer. Was ist der Unterschied zu einer herkömmlichen Arztpraxis? „Die Hemmschwelle, einen Checkpoint oder Fast Track zu besuchen, ist niedriger“, meint Bodtländer. „Schon allein, weil es im Namen nicht gezielt auf HIV, Aids oder STDs hinweist. Fast Track ist ein Konzept, über das inzwischen neben Berlin auch in anderen auch in anderen deutschen Ballungsräumen intensiv nachgedacht wird“, meint Bodtländer weiter. *bjö www.praxis-im-nordend.de

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