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gab August 2016

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Gesundheit 30

Gesundheit 30 Infektiologikum Frankfurt PREP JA – ABER MIT KONTROLLE Das Infektiologikum Frankfurt ist mit sieben InternistInnen und AllgemeinmedizinerInnen mit Schwerpunkt Infektiologie Ansprechpartner für jede Art von Infektionskrankheiten, also neben tropenmedizinischen Erkrankungen auch für HIV, Hepatitis und andere sexuell übertragbare Krankheiten. Getreu dem Motto „Know your Status“ kann man sich hier ebenfalls per Schnelltest auf HIV untersuchen lassen – ein eigenes Labor im Haus macht es möglich. Dr. med. Gaby Knecht erläutert ihre Arbeit und die im Infektiologikum erstmalig startende Studie zur Präexpositionsprophylaxe – kurz PrEP. FRANKFURT IST IM BEREICH HIV SEIT LANGEM FÜR SEINE GUTE MEDIZINISCHE ARBEIT EBENSO WIE DIE WISSEN- SCHAFTLICHE FORSCHUNG BEKANNT – GILT DAS HEUTE AUCH NOCH? Das Infektiologikum ist eines der größten Zentren bundesweit und zusammen mit den Kollegen aus der Uniklinik sowohl im Hepatitis- wie HIV-Bereich auch in der Forschung weit vorne. Wir nehmen als Infektiologikum an HIV- Studien sowie Studien für Co-infizierte Patienten, also Menschen mit HIV- und gleichzeitiger Hepatitis-Infektion, teil. Darüber hinaus sind wir eines der wenigen deutschen Zentren, die an einer Studie zur Präexpositionsprofilaxe teilnimmt. DIE MEINUNGEN ÜBER DIE PREP SIND JA GETEILT ... Ich bin da sehr klar: Die Studienlage zeigt, dass Präexpositionsprophylaxe schützt. Und ein Fakt ist, dass es eine bestimmte Population von schwulen Männern gibt, die für andere Präventionsmaßnahmen nicht erreichbar sind. Das sind in der Regel HIV-negative Patienten, die nach Sex ohne Kondom mit Chlamydien, Tripper oder Syphilis zu uns kommen. Das ist eine Hochrisiko-Population, die sich mit der PrEP zumindest vor HIV schützen kann. ABER MIT DER PREP KANN MAN SICH NICHT VOR ANDEREN GESCHLECHTS- KRANKHEITEN SCHÜTZEN, GANZ AB- GESEHEN VON DEN NEBENWIRKUNGEN DER MEDIKAMENTE? Ja, und deswegen wird die Studie an unserem Zentrum immer mit regelmäßigen Tests auf Nebenwirkungen, Kontrolle der Leber- und Nierenwerte und sexuell übertragbare Erkrankungen verbunden. Das ist eine Vereinbarung, auf die sich die Patienten mit uns einigen müssen. Das gilt im Übrigen auch für Länder, die die Präexpositionsprophylaxe schon zugelassen haben. Problematisch wird es, wenn Leute sich die Medikamente selbst besorgen und dann nicht ärztlich begleitet werden. IST DIE PREP DENN DANN EINE ALTER- NATIVE ZUM KONDOM? DIE SORGFALT, FOTO: BJÖ DIE MAN BEIM SEX AN DEN TAG LEGEN SOLLTE, IST MIT DER PREP JA LEDIGLICH VERLAGERT? Wir propagieren natürlich weiterhin, dass Menschen das Kondom benutzen sollen. Ich finde es fragwürdig, wenn Teile der Community meinen, mit der Präexpositionsprophylaxe könnten sie ihr Sexualverhalten ändern und auf Kondome verzichten. Für mich ist die PrEP lediglich dafür da, ein bestimmtes Hochrisikokollektiv, was wir mit keinen anderen Präventionsmaßnahmen erreichen, vor einer HIV-Infektion zu schützen – immer in Verbindung mit der dazugehörigen medizinischen Versorgung. ICH GLAUBE, DAS IST DEN LEUTEN NICHT SO KLAR ... Wir sehen zumindest bei uns ein ausgewähltes Kollektiv an Männern, das sehr achtsam mit sich umgeht, zumindest was bei der PrEP die Kontrolle der Laborwerte angeht. Ich glaube, das ist etwas, wo auch die Community gefordert ist: Miteinander im Gespräch bleiben und sich gegenseitig informieren. ERKLÄRE DOCH BITTE DIE STUDIE ZUR PRÄEXPOSITIONSPROPHYLAXE Die Studie wird im August oder September initiiert, sie läuft 96 Wochen und wird in Frankfurt bei uns und bundesweit in drei anderen Zentren durchgeführt. Für die Studie geeignet sind Männer, die HIV-negativ sind, ungeschützten Analverkehr haben und sich in der Vergangenheit schon mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten infiziert haben. Also die Hochrisikogruppe. Derjenige, der einmal im Jahr Sexualkontakt mit Kondom auf dem Parkplatz hat, ist für diese Studie nicht geeignet. Medizinisch wird die Folgesubstanz von Tenofovir der Firma Gilead getestet. WAS KANN MAN ZUM STAND DER HIV- INFEKTIONSZAHLEN IN FRANKFURT UND DEN THEMEN CHEMSEX UND SLAMMING SAGEN? Nach unserem Gefühl sind die HIV- Infektionszahlen in Frankfurt stabil. Was allerdings wieder sehr angestiegen ist, sind die Syphilis-Infektionen. Wir haben durchaus ein Crystal-Meth-Problem in Frankfurt, aber die Größenordnung ist eine andere als zum Beispiel in Berlin oder Köln. Dass heißt natürlich nicht, dass wir hier nichts dagegen tun sollten, sondern ich glaube einfach, dass die Präventionsarbeit in diese Richtung gehen muss. •Interview: Björn Berndt Infektiologikum, Stresemannallee 3, Frankfurt, www.infektiologikum.de

31 Gesundheit Sprungbrett DAS HIV-BUDDY-PROJEKT Seit gut einem Jahr ist im Raum Frankfurt das HIV-Buddy- Projekt „Sprungbrett“ aktiv. Die bundesweite Initiative der Deutschen AIDS-Hilfe hat ein einfaches wie schlüssiges Konzept: HIV-Positive können sich hier zu Gesprächen mit entsprechend ausgebildeten Buddys, die ebenfalls HIV- Positiv sind, treffen. Das Angebot wird als Ergänzung zu den Beratungsangeboten der AIDS-Hilfe gesehen. „Viele, die zu uns kommen, haben ihre Diagnose gerade erst bekommen und möchten einfach mal mit jemandem reden – auf Augenhöhe“, erklärt Ralf, der als Koordinator der fünf Buddys im Rhein-Main-Gebiet fungiert. „Die Zeit nach der Diagnose ist heftig – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich hätte mir damals selbst so ein Gespräch gewünscht“. Gedanken ordnen, Erfahrungen austauschen, Probleme erkennen und lebensnahe Hilfe für den Alltag mit HIV zu vermitteln ist die Aufgabe der Sprungbrett-Buddies. „Ziel ist immer auch, nützliche Infos für passende weiterführende Hilfsangebote zu finden“, erklärt Ralf. Die Gruppe richtet sich übrigens nicht nur an schwule Männer – alle Betroffenen können hier das Gespräch suchen. Das Angebot wird gut angenommen und soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. Infos zu den Buddys der jeweiligen Region wie zur Buddy-Ausbildung gibt’s über die Website. •bjö www.sprungbrett.hiv FOTO: JÖRG BRINCKHEGER / PIXELIO.DE FOTO: SASSI / PIXELIO.DE SEX, DRUGS & STI Ein bislang weitgehend tabuisiertes Thema, das im Zusammenhang mit HIV und Aids aber immer mehr Probleme aufweist, ist der sogenannte „Chem-Sex“, auch bekannt als „Slamming“ – also Sex unter Einfluss bestimmter Drogen. Die AIDS-Hilfe Frankfurt lädt zu einem Workshop, der Risiken benennt und Möglichkeiten der Risikoverminderung aufzeigt. Nach dem Vortrag des Mikrobiologen Siegfried Schwarze ist Raum für Fragen und Diskussion, geleitet von Annette Plecha vom Kompetenznetz HIV/AIDS. •bjö 9.8., bASIS, Lenaustr. 38, Frankfurt, 19:30 Uhr, www.frankfurt-aidshilfe.de

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