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blu Juli / August 2019

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10 STADTGESPRÄCH FOTO:

10 STADTGESPRÄCH FOTO: C. NEBELING INTERVIEW ALLI NEUMANN: „Es geht darum, gleiche Rechte zu erreichen“ Mit Monstern, Biestern und Dämonen spielen, statt gegen sie anzukämpfen: Nach der EP „Hohes Fieber“ und ihrem Schauspieldebüt in Kim Franks Spielfilm „Wach“ überrascht Alli Neumann auf ihrer zweiten Veröffentlichung namens „Monster“. Was reizt dich an Hamburg, warum nicht Berlin? In Berlin würde ich als schräger Vogel untergehen. Berlin ist mit seiner ganzen Vielfalt ein zweischneidiges Schwert: Ich käme wahrscheinlich vor lauter Ablenkung gar nicht mehr dazu, zu Hause zu sitzen und Mucke zu machen, sondern würde von einer Veranstaltung zur nächsten springen. Ich hab extreme Angst davor, dass diese Stadt mich aufsaugt. Hamburg ist dagegen für mich eine gute Mischung aus Berlin und Nordfriesland. Ich hab hier meine Ruhe, meine Parks, die nicht überlaufen sind, und kann alles zu Fuß erreichen. Das ist schon schön. Wie erarbeitest du deine gesellschaftskritischen Texte? Einmal resultiert es daraus, dass ich mich persönlich richtig tangiert fühle, missverstanden oder sogar angegriffen. Das will ich textlich verarbeiten. Bei „Monster“ geht es darum, dass ich jemand bin, der richtig wütend werden kann und in der Wut lieber sein Leben zerstört, als diplomatisch zu sein. Ich glaube, das kennen viele. Ob nun im familiären Bereich oder in einer Partnerschaft. In meinem Fall auch, wenn jemand klugscheißt, inkompetent ist oder einfach nur zu spät kommt. Da kann ich richtig eklig werden. Und daran muss ich arbeiten. (lacht) Einerseits ist diese Eigenschaft nämlich etwas, was mich weiterbringt, was mich antreibt, andererseits wäre es schon gut, wenn ich mich manchmal besser unter Kontrolle hätte. Unsere Gesellschaft funktioniert leider aber so: Je mehr man Assi ist und einfach Respekt einfordert, desto weiter kommt man. Auch im Business. Das ist ein totaler Abtörner: Man ist in Konflikt mit diesem Monster, will aber eigentlich ein freundlicher Mensch sein. Eine freundliche Frau, schmeiße ich einfach mal ein, um auf das zweite große Thema auf „Monster“ zu kommen: Bezeichnest du dich als Feministin? Ja. Wobei ich eigentlich ungern in diesen Kategorien denke, weil die zu oft missverständlich gebraucht werden. Was meinst du? Na, es gibt immer wieder Leute, die behaupten, Feministen wollten Frauen bevorzugen und ihnen Sonderrechte einräumen. Das macht mich unglaublich sauer. Ich habe noch nie jemanden gehört, der gefordert hätte, Frauen sollen mehr Rechte als Männer bekommen. Es geht darum, gleiche Rechte zu erreichen. Deshalb versuche ich, mit meiner Kunst Alternativen zu zeigen, die sich nicht kategorisieren lassen in Schubladen. Politpop also, oder? Ja. Ich komme aus einem sehr politischen familiären Umfeld und habe auch früher versucht, mich zum Beispiel in der Antifa zu engagieren – worauf ich nicht wirklich stolz bin – oder anderweitig Dinge zu bewegen. Die Kunst bietet mir aber die Möglichkeit, die Menschen über einen viel kürzeren Weg zu erreichen. Die Musik bietet mir als Person eine Öffentlichkeit und ich muss auch gar nicht in jedem Lied den Zeigefinger heben und sagen: „Ihr seid scheiße“, sondern kann, wie eben schon erwähnt, alternative Konzepte präsentieren, die über Melodie, Videos und Gesang in den Köpfen landen und dort arbeiten. Ich glaube, dass das viel effektiver ist, als auf der Schanze Parolen vom Band abzuspielen. Man verändert sich am besten durch Beispiele und dadurch, zum Denken angeregt zu werden. Und ich finde, die Gesellschaft ist zu einem sehr großen Teil auch bereit dafür und auf einem guten Weg. *Interview: Christian Knuth

NEUKÖLLN Jonathan Monks installierte Im März eröffnete eine aufsehenerregende Ausstellung, die bundesweit die Kunstkenner erreichen soll. Bis zum 21. Juli sind auf dem Gelände der ehemaligen KINDL-Brauerei spannende Installationen von Jonathan Monk zu erleben: Fototapeten. Seit zwei Jahrzehnten ist der britische Künstler mit seiner Kunst international erfolgreich, jetzt macht er Station im Berliner Baudenkmal. „Exhibit Model Four“, das sind wandfüllende Fototapeten (meist schwarzweiß), die den Ausstellungsraum M1 im Maschinenhaus der legendären Brauerei vollständig auskleiden. WWW.GALERIESLAFAYETTE.DE Jonathan Monk, Exhibit Model Three, VOX, Courtesy of the artist. © Michel Brunelle „Die größtenteils in Schwarzweiß gehaltenen Aufnahmen zeigen Arbeiten Monks aus den letzten 20 Jahren in unterschiedlichen Ausstellungskontexten und Raumsituationen. Durch die Verzahnung dieser Ausschnitte mit der gegebenen Architektur des M1 entwickelt der Künstler ein völlig neues, komplexes Raumgefüge“, wurde zuvor schon verraten. „Die Installationsansichten wirken wie aneinandergefügtes Archivmaterial und verdichten sich zu einem Ort, der eine geschärfte Wahrnehmung und eine spezifische Orientierung einfordert.“ Jonathan Monk kombiniert in der Ausstellung seine Werke mit der Kunst anderer Künstler, etwa der von Gilbert & George. Im Maschinenhaus M2 ist zeitgleich die Gruppenausstellung „Behind the Screen“ unter anderem mit Kunstwerken von Tristan Schulze, Addie Wagenknecht sowie Julia Weißenberg zu genießen. *rä Bis 21.7., Jonathan Monk: Exhibit Model Four – plus invited guests, Maschinenhaus M1, KINDL, www.kindl-berlin.de PEEP SHOPPING NIGHT AM 26. JULI VON 20 BIS 24 UHR FRIEDRICHSTRASSE 76-78 MIT: NINA QUEER, DJ GITTI REINHARDT, BÄLLEBAD MIT JURASSICA PARKA, TÄNZERN, SPRITZIGEN ERFRISCHUNGEN, DANCEFLOOR U.V.M. !Mediengruppe Bitnik, Solve This Captcha Series, exhibition view, EPFL ArtLab, Lausanne, 2017. © Adrien Baraka

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