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blu Januar/Februar 2020

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DIVERSITY NACHGEFRAGT

DIVERSITY NACHGEFRAGT JENNY FRIESE „Mir selbst sind Vorurteile nicht ganz unbekannt“ Das „LGBT*IQ Netzwerk Arco“ der Commerzbank ist mit seinem Gründungsjahr 2002 nicht nur eine der ältesten queeren Vertretungen in einem deutschen börsennotierten Unternehmen, sondern auch eines der größten. Seit 2019 ist Jenny Friese, Bereichsvorständin der Marktregionen Ost und Mitte und zuständig für das Privat- und Unternehmerkundengeschäft mit über 3,4 Millionen Kunden, Schirmherrin von Arco. Zeit, sie in unserer Diversity-Reihe vorzustellen. Banken. Das sind dem Klischee nach immer noch Krawatte und hochgeschlossene Bluse. Welche Bedeutung hat die sexuelle Identität am Arbeitsplatz? Ist das nicht Privatsache? Diese Vorstellung von „Privatsache“ birgt Gefahren. Denn während zum Beispiel ein heterosexueller Kollege das Bild seiner Frau auf dem Schreibtisch stehen hat oder sie bei Abendveranstaltungen mitbringt, bleibt diese Normalität einem nicht geouteten homosexuellen Mitarbeiter vorenthalten. Zu einem menschlichen und positiven Umfeld gehört es aber, auch offen über sein Privatleben reden zu können. Sie bezeichnen sich als „Straight Ally“. Was hat Sie dazu bewogen, sich für Arco einzusetzen? Die Erfahrungen von Arco haben mir noch mal verdeutlicht, dass es auch in unserem Unternehmen noch Menschen gibt, die ihre sexuelle Orientierung vor allem gegenüber ihren Vorgesetzten nicht preisgeben. Trotz der offenen Kultur fehlt es an Führungskräften, die hier eine Vorbildfunktion übernehmen. Als Bereichsvorständin habe ich die Möglichkeit, für noch größere Aufmerksamkeit zu sorgen. Mir selbst sind Vorurteile nicht ganz unbekannt. Deshalb fühle ich mich verpflichtet, für Offenheit und Toleranz zu werben. Es muss zur Normalität werden, dass heterosexuelle und homosexuelle Menschen entspannt miteinander umgehen – und zwar in beide Richtungen.

DIVERSITY de mehr als 10.000 Mal geklickt. Das ist für einen internen Beitrag schon sehr viel. Und in den Kommentaren, auch von einigen Vorstandskollegen, wurde das Engagement durchweg unterstützt. Das Gleiche gilt für einen Beitrag von zwei Mitarbeitern, die über ihr persönliches Coming-out berichtet haben. Wie dick waren und sind die Bretter noch in der Männerwelt Topmanagement, wenn dann auch noch „ausgerechnet eine Frau“ mit queeren Themen kommt? Gab es auch negative Stimmen aus dem Vorstandsbereich oder aus der Belegschaft, die gefragt haben, was das soll? Tatsächlich waren die Reaktionen sehr positiv. Natürlich sind nicht immer alle begeistert und fragen sich, ob ein solches Engagement nötig ist und es nicht Wichtigeres gibt. Aber ein Interview mit mir dazu im digitalen Mitarbeitermagazin wur- FOTOS: COMMERZBANK Sie haben die „Reise nach Berlin“ ins Leben gerufen. Was ist das? Das ist als eine symbolische Reise zu mehr Respekt und Akzeptanz zu verstehen. Mit unterschiedlichen Veranstaltungen haben wir Kunden und Mitarbeiter eingeladen, etwas zu entdecken, ihren Horizont zu erweitern und so für ein besseres Miteinander zu sorgen. Am Diversity- Tag haben wir zum Beispiel eine Podiumsdiskussion veranstaltet, bei der Vertreter von Banken und aus der Wirtschaft darüber diskutiert haben, warum LGBTIQ*-Engagement ein Erfolgsfaktor für Unternehmen ist. Im Juli war die Commerzbank Gastgeber des internationalen „RAHM-LGBT Leadership Contest“, bei dem sich LGBTIQ*-Führungskräfte in ihren Fähigkeiten gemessen haben. Und am Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben wir mit einem großen Truck teilgenommen. Unter dem Motto „Alle gelb – trotzdem bunt“ haben Kunden und Mitarbeiter gemeinsam Flagge für Vielfalt gezeigt. In der CSD-Saison hat die Commerzbank ihr Logo in den Farben des Regenbogens gefärbt. Wie waren die Reaktionen der Belegschaft, wie die von Kunden? 2018 hatte das Einfärben unseres Logos noch zu einer sehr lebhaften Diskussion geführt und gezeigt, dass trotz allem noch viele Vorbehalte und Unsicherheiten auch bei uns bestehen. 2019 war dies in vielen Teilen schon selbstverständlicher. Dazu tragen gemeinsame Veranstaltungen und Maßnahmen wie in der „Reise nach Berlin“ bei. Und gerade mit Blick auf unsere Kunden gilt: Die Wahrnehmung eines Unternehmens beeinflusst immer mehr auch deren Entscheidungen. Daher sollen sich queere Menschen bei uns auch willkommen fühlen. Warum nicht einmal den Commerzbank-Tower außerhalb der CSD-Saison in den Farben des Regenbogens leuchten lassen? Den Commerzbank-Tower in Regenbogenfarben leuchten zu lassen, war ein enormer Aufwand. Wir haben uns daher sehr gefreut, dass wir die Idee 2019 erstmals umsetzen konnten. Und natürlich hatte dies insbesondere im Kontext der CSD-Saison eine große öffentliche Wahrnehmung. Mit Blick nach vorn muss man neu entscheiden, welche Maßnahmen und Aktionen dem Anliegen am meisten nutzen. Was muss sich in der Bankenund Finanzwelt noch tun, damit Diversität stärker gelebt werden kann? Wir haben sicher schon viel erreicht, aber Vorurteile lassen sich oft auch nicht von heute auf morgen abbauen. Umso wichtiger ist es, dass sich vor allem Führungskräfte trauen, das Thema in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Je heterogener ein Team ist und je offener einzelne Mitglieder mit ihrer sexuellen Orientierung umgehen, desto einfacher ist es sowohl für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch für solche, die schon lange dabei sind, dem Beispiel zu folgen. Das zahlt sich im Übrigen auch wirtschaftlich aus, denn diverse Teams liefern auch hervorragende Ergebnisse ab. *C. Knuth / S. Ahlefeld

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.