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rik Düsseldorf Mai 2016

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Köln 14 Interview DER

Köln 14 Interview DER JUNGE KÖNIG FOTO: VVG Ralf König ist ohne Frage Deutschlands populärster Comiczeichner. Seine Comic-Klassiker sind legendär: „Der bewegte Mann“, „Wie die Karnickel“ oder „Dschinn Dschinn“, sein Statement zur Diskussion um die Mohammed-Karikaturen. Gerade beim Männerschwarm Verlag erschienen ist „Der junge König 3 – Die Nasen werden bunt 1988 – 1990“, eine Sammlung alter Klassiker. Hier ist unser exklusives Interview. WENN EIN BUCH WIE „DER JUNGE KÖNIG 3“ ZUSAMMENGESTELLT WIRD, WIE SENTIMENTAL WIRD MAN DA? Ich habe zu den alten Comics aus den 80er- und 90er-Jahren ein zwiespältiges Verhältnis, weil ich heute natürlich vieles anders und besser machen würde. Da ist oft unnötiger und zu krakeliger Text in den Sprechblasen oder die Ideen sind wenig ausgereift, die Zeichnungen frech hingerotzt. Andererseits hat ja gerade das auch den Reiz des Undergrounds. Ich hab damals einfach mit billigen Filzstiften drauflosgekritzelt und ich war jung, dumm und geil – ein wunderbarer Zustand! Also weniger die Comics machen mich sentimental, sondern diese frische Spontanität dieser Zeit, und natürlich der Erfolg, den diese Bücher damals hatten. WELCHE DEINER FIGUREN LIEGT DIR BESONDERS AM HERZEN? Konrad und Paul. Die zwei zeichnete ich erstmals 1989, damals für die Zeitschrift „Magnus“, und irgendwie sind sie mir bis heute am nächsten. Wenn Konrad dies sagt, entgegnet Paul jenes, dann ist Konrad genervt und Paul setzt noch einen drauf. Ich höre den beiden quasi zu, die Dialoge fluppen fast von allein. Ich hab die beiden zuletzt in „Raumstation Sehnsucht“ und „Barry Hoden“ vorkommen lassen, nach längerer Pause, und sie waren mir vertraut wie eh und je. BIST DU DIR DENN BEWUSST, WIE WICHTIG DIESE COMICS WAREN FÜR VIELE MÄNNER? Damals nicht wirklich. Ich genoss den Erfolg, klar, aber dass sich schwule Männer damals irgendwie mit den sexuell rotzfrechen Nasen identifizierten, ist mir erst heute klar. Leider kaufen schwule Leser die Comics heute nicht mehr so üppig, wie sie wohl überhaupt wenig schwule Literatur lesen. Ich glaube, Schwule sind heute einfach schwul und fertig, da braucht’s keine Fachbücher mehr zum Thema. Die schwulen Buchläden und Verlage und Autoren hätten sicher mehr Unterstützung verdient, aber so sind die Zeiten. Die Leute hängen lieber mit der Nase am Smartphone. MITUNTER GEHT ES IN DEINEN COMICS RECHT DERBE ZU. ANLÄSSLICH DER AKTUELLEN ERDOGAN-DEBATTE: WELCHE GRENZEN HAT KUNST? Erdogan ist ein Diktator mit offenbar wenig Selbstbewusstsein, der nicht merkt, wie lächerlich er sich selbst macht. Ohne die Empörung hätte Jan Böhmermanns Gedicht kaum weiter Beachtung gefunden. Mir wurde von Anfang an übel, als ich sah, wie die deutsche Regierung anfing, in der Flüchtlingskrise vor so einem engstirnigen

Sultan zu buckeln. Darum ist Böhmermanns Gedicht zwar nicht unbedingt die feinsinnigste Satire, aber hat doch ins Schwarze getroffen. Wir sehen deutlich, wie Frau Merkel sich windet, gegenüber der Türkei unsere Satireund Pressefreiheit als nicht diskutabel zu verteidigen. Sie wird es demnächst tun, denke ich, hoffe ich! Ein grauenhafter Gedanke, dass hierzulande wieder Gesetze angewendet werden, die längst nicht mehr zeitgemäß sind. Bei religiöser Satire das Gleiche: Abgesehen von drohender Gewalt und Terror aus islamischer Ecke gibt es immer noch den Gotteslästerungs-Paragrafen! Dabei reimt sich Gott so schön auf Spott. WORAN ARBEITEST DU GERADE? An einem Buch über das Älterwerden des schwulen Mannes, wieder mit Konrad und Paul. Ich bin jetzt 55, (und nicht 65, wie auf dem dritten „Jungen König“ hinten draufsteht) und ich mach ja gern die Tragödie zur Komödie. Ich hab mal den Begriff „Andropause“ gegoogelt, da wollen sie uns einreden, wir Männer hätten auch so was wie die Menopause bei Frauen. Und da stand unter Symptome: „Verringerung des Hodenvolumens“. Da musste ich das angefangene Buch erst mal zurück in die Schublade schieben. Aber wenn ich mich so in meinem Freundeskreis umhöre ... noch hat das mit der Midlife-Krise komisches Potenzial. Noch! Wenn ich meine Eltern heute sehe, mit weit über achtzig, da ist das alles nicht mehr so witzig. Außerdem zeichne ich an einem kleinen Weihnachtsbüchlein, womöglich eher für unterkuschelte Frauen, mit sexy Weihnachtsmann und so. Was Quarktaschen angeht, bin ich ja inzwischen altersmilde. Und wie gesagt, wenn ich mich nur auf schwule Käufer verlassen müsste, hätte ich den Stift längst beiseitegelegt. UND WAS INSPIRIERT DICH? Nach wie vor der banale schwule Alltag. Ich bin nicht mehr der Szenegänger, aber das war ich eigentlich nie. Im Frühling schon mal, wenn mir das Testosteron aus der Nase lief. Aber auch ohne regelmäßige Lederpartys und Online-Datings passiert noch genug Komisches, da kritzel ich einfach mal weiter. •Interview: Michael Rädel www.maennerschwarm.de www.ralf-koenig.de

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