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blu Oktober 2017

ÖKOLOGIE FOTO: M.

ÖKOLOGIE FOTO: M. RÄDEL „Biodynamisch“ FOTO: S. LAMB INTERVIEW MARKUS BRAUCHLE Erst mal ein William-Shakespeare-Zitat vorweg: „Der Wein steigt in das Gehirn, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von feurigen und schönen Bildern.“ Ja, der Wein gilt zu Recht als ein feines Gesöff, das – in Maßen genossen – angenehm berauscht, aber nicht benebelt. Wir sprachen mit Markus Brauchle, einem Winzer aus dem Breisgau. Wie kamst du zur Winzerei? Freunde meinten, ich solle endlich die Leidenschaft zum Beruf machen, anstatt sie unentwegt mit Fachwissen zu nerven und den Sommelier zu geben. Da war ich 24 Jahre alt und wollte Flying Winemaker werden. Mit 25 begann ich dann schließlich meine Lehrzeit als Winzer bei Joachim Heger am Kaiserstuhl: Steillagen unter den Füßen, Reben in den Händen und Barriquefässer im Keller stemmen. Von Bordeaux bis Hamburg durfte ich Weinmenüs moderieren, besser konnte es eigentlich nicht mehr werden. Dann kam das Weinbau- und Önologiestudium in Geisenheim, Turin und Siena sowie Praktika in zwei Top-Weingütern im Burgenland und meine erste Weinlese in eigener Verantwortung dann in Südafrika. Jetzt hab ich meine Traumstelle, sowohl als Kellermeister (Bio- Weingut Rieger im Markgräflerland) wie auch als Weinhändler (AGORA Freiburg). Einige deiner Weine sind „biodynamisch“, was bedeutet das denn genau? Zunächst wird wie im biologischen Weinbau auf synthetischen Dünger und chemischsystemische Pflanzenschutzmittel, Pestizide und Herbizide verzichtet. Gedüngt wird mit Kompost, Pflanzenschutz mit Schwefel und Kupfer betrieben. Die Biodynamie geht auf Rudolf Steiner zurück. Man begreift die Landwirtschaft als Organismus von Mensch, Pflanze, Tier und Kosmos. Vereinfacht gesagt schauen wir auf den Mond und Sternenkalender und wenden Homöopathie an den Reben an. Ziel von vielen Winzern ist es, durch die Biodynamie den Charakter und den Ausdruck der Weine zu verbessern. Ich sehe eine Wirkung in der Biodynamie, ohne daraus eine Religion machen zu wollen. Überhaupt sind deine Weine, auch die, die du in der AGORA in Freiburg anbietest, ökologisch verträglich und zudem auch nachhaltig produziert, oder? Ja, das ist mir sehr wichtig. Ich kenne unsere Winzer persönlich, und unter Kollegen tauscht man sich gerade bei den Bio-Winzern aus. Man trifft sich, begeht die Reben, probiert durch und diskutiert die weinbaulichen Probleme. Aber nicht alle unsere Winzer sind Bio-Winzer! Es gibt viele Ansätze für nachhaltige, biologische und biodynamische Produktion. Auch nicht bio-zertifizierte Winzer können nachhaltig arbeiten, indem sie beispielsweise mit Begrünung und Kompost arbeiten, auf Herbizide und Pestizide verzichten und dadurch die Biodiversität fördern. Was macht die AGORA so besonders? Die Geschichte dahinter ist ja auch recht amüsant. Wir denken bunt! Unser Portfolio beinhaltet Weine von Traditionalisten Modernisten und Kreativen sowie Seltenes aus Europa. Winzerinnen und Winzer, die ihr Handwerk und Terroir zu einem fairen Preis anbieten, sind uns wichtiger als Glanz und Gloria mancher Luxushäuser. Fast jeder Geschmack kommt bei uns auf seine Kosten, und das hat in unserem Haus wohl Tradition: Die Wilhelmstraße 9 in Freiburg war noch bis 2005 weit über die Landesgrenzen hinaus als Edel-Bordell bekannt. Der Champagner ist hier seit 2006 übrigens um ein Vielfaches günstiger als vorher. *Interview: Michael Rädel www.agora-freiburg.de

ARCHITEKTUR Die Superzelle Die Idee einer erfolgreichen Energiewende ist nach mehreren Jahren des Stillstands wieder in das Bewusstsein politisch Handelnder zurückgekehrt. Auch wenn die letzte Bundesregierung faktisch keine Fortschritte erreicht hat, ist doch die Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens ein starkes Signal. China und andere aufstrebende Wirtschaftsnationen haben angekündigt, neue Wege beschreiten zu wollen, um die dringendsten Fragen nachhaltigen Wirtschaftens zu lösen. Ein erstaunliches Projekt dazu kommt aus Hamburg. ENERGIE, ERNÄHRUNG, ATEMLUFT Die als Supercell benannten 88 Stockwerke und 500 Meter hohen Gebäudekomplexe, die das Hamburger Unternehmen Jendrusch Capital entworfen hat, machen es möglich, auf einem 100.000 Quadratmeter großen Grundstück eine Produktionsfläche von 1,8 Mio. Quadratmetern zu schaffen. Alleine für die Produktion von Biomasse wird so eine Landfläche von 16 Quadratkilometern eingespart. Biomasse bedeutet hier die Massenproduktion von Mikroalgen in Biogeneratoren. Seealgen sind die Grundlage der maritimen Nahrungskette und erzeugen rund siebzig Prozent des Sauerstoffs weltweit. Ihre Raffinade ermöglicht die Produktion von Ölen und Nahrungsergänzungsmitteln – Kerosin aus Algen ist zum Beispiel 18 Prozent effizienter als jenes aus dem knapper werdenden und umweltschädlichen Erdöl. Als Rohstoff braucht die Alge nur Meerwasser, gigantische Mengen des Klimakillers CO2 und Licht. Hier wird das Projekt Supercell dann auch richtig interessant: Das Architekten- und Ingenieursteam um Jendrusch hat das Gebäude, das an Meeresküsten weltweit stehen könnte, mit Aufwindkraftwerk, Fotovoltaik und eventuell zusätzlicher Nutzung von Geothermie so geplant, dass die erforderlichen hohen Megawattzahlen für die Algenproduktion autark erzeugt werden können. Als „Abfall“ produziert Supercell so ausschließlich Sauerstoff und gereinigte Abwässer, die ebenfalls durch die Algen aufbereitet werden können. Eine Wahnsinnsidee? Vielleicht. Aber nur wer abhebt, hat die Chance, den Himmel zu erreichen. *ck www.towerplants.com GRAFIK: JENDRUSCH CAPITAL

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